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Nina zu Fürstenberg

Wer hat Angst vor Tariq Ramadan? Der Mann, der den Islam reformieren und die westliche Welt verändern will

Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2008; 191 S.; kart., 16,95 €; ISBN 978-3-451-29877-6
Die Person Tariq Ramadan polarisiert in den Debatten um den Islam in Europa. Seine Vorschläge zu einer Islamreform treffen sowohl bei muslimischen Konservativen wie auch bei westlichen Regierungsvertretern auf harsche Kritik. Den einen rührt er zu stark an Sakrosanktem, den anderen distanziert er sich nicht weit genug von der Scharia - so etwa in dem von ihm vorgeschlagenen Moratorium der Steinigung. Die Autorin zeichnet neben der Familiengeschichte Ramadans als Verwandtem des Gründers der ägyptischen Muslimbrüder al-Banna dessen Standpunkte unter anderem zum innerislamischen Feminismus, zur Erneuerung der Interpretation des Korans und zur Gültigkeit der Scharia in Europa sowie die Kritik an seinen Positionen nach. Ramadans erklärtes Ziel sei es, eine Integration der Muslime in Europa zu gewährleisten (51), wobei er jedoch keine speziellen nur für Muslime geltenden Gesetze eingeführt haben will, sondern sich explizit dafür ausspricht, dass sich Muslime im Konfliktfall zwischen dem jeweiligen nationalen Recht und islamischen Rechtsvorstellungen auf jeden Fall an das national gültige Recht halten sollten. Die Scharia will er vielmehr als ein „System moralisch traditioneller Regeln“ (70) verstanden wissen denn als Strafrecht. Fürstenberg liefert hier einen Beitrag, der zur Übersichtlichkeit der Positionen in der Debatte um einen Euro-Islam beitragen dürfte. Hier und da drängt sich ein wenig der Eindruck auf, die Autorin versuche sich an einer Apologetik der Ramadan’schen Standpunkte. Ein Eindruck, der auch durch einige widersprüchliche Aussagen im Text unterstrichen wird: So konstatiert sie auf Seite 54, dass Ramadans Handeln auf eine Bekehrung zum Islam abziele, nur um auf der nächsten Seite festzustellen, dass Ramadan keinen missionarischen Anspruch vertrete. Dennoch ist das Buch eine Hilfe für diejenigen, die sich schnell über Ramadans Positionen und die Antworten seiner Kritiker und intellektuellen Gegenspieler verschaffen wollen.
Marius Sauter (MDS)
Student, Institut für Politikwissenschaft, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 2.23 Empfohlene Zitierweise: Marius Sauter, Rezension zu: Nina zu Fürstenberg: Wer hat Angst vor Tariq Ramadan? Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29709-wer-hat-angst-vor-tariq-ramadan_35183, veröffentlicht am 28.10.2008. Buch-Nr.: 35183 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken