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Benedikt Widmaier / Gerd Steffens (Hrsg.)

Weltbürgertum und Kosmopolitisierung. Interdisziplinäre Perspektiven für die Politische Bildung

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2010 (Non-Formale Bildung); 191 S.; 19,80 €; ISBN 978-3-89974539-9
Angesichts der Globalisierung ist die Diskussion über den Begriff des Weltbürgers aktuell. Unter Rückgriff auf Immanuel Kant und die Rezeption des angelsächsischen Diskurses über Kosmopolitismus ist in den letzten Jahren versucht worden, einen modernisierten Begriff des Weltbürgers in die öffentlichen politischen Debatten einzubringen. Vor diesem Hintergrund fand im März 2008 in Heppenheim eine interdisziplinäre Tagung statt, die u. a. von der Deutschen Vereinigung für politische Bildung ausgerichtet wurde, auf die dieser Band zurückgeht. Teilnehmer waren Soziologen, Politologen, Theologen, Philosophen, Historiker, Pädagogen, Musikwissenschaftler und Politikdidaktiker. Ob der Weltbürger ein angemessenes Leitbild für die globalisierte Welt darstellt, ist eine der diskutierten Fragen. Erörtert werden die Perspektiven einer politischen und gesellschaftlichen Kosmopolitisierung – in Abgrenzung zu ausschließlich wirtschaftlich gedachter Globalisierung. Der Professor für politische Theorie Michael Haus setzt sich mit der Kritik am Kosmopolitismus auseinander, und zwar mit der These, der Kosmopolitismus entziehe der Demokratie ihre Substanz und führe zur Entpolitisierung. Die kosmopolitischen Perspektiven, die im Umkreis der Debatten um eine „Zweite Moderne“ entwickelt wurden, bilden den Schwerpunkt seines Interesses. Eine weltbürgerliche Perspektive für die politische Bildung entwickelt der Professor für Politikdidaktik Ingo Juchler. Um allen Bürgern die Voraussetzung des potenziellen Zugangs zur politischen Öffentlichkeit auch auf kosmopolitischer Ebene zu verschaffen, sollten bereits die Schüler auf ihre „(spätere) Aufgabe als Teil der politischen Öffentlichkeit“ vorbereitet, sie „zur transnationalen politischen Urteilsbildung befähigt“ (189) werden. Die Vermittlung von Kenntnissen stelle also eine zentrale Aufgabe der Politikdidaktik dar. Denn auch in Zeiten der Globalisierung benötigten mündige Bürger Handlungsfelder der aktiven politischen Partizipation.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.35 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Benedikt Widmaier / Gerd Steffens (Hrsg.): Weltbürgertum und Kosmopolitisierung. Schwalbach/Ts.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32031-weltbuergertum-und-kosmopolitisierung_38205, veröffentlicht am 11.05.2010. Buch-Nr.: 38205 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken