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Wadim S. Rogowin

Trotzkismus. Aus dem Russischen übersetzt von Hannelore Georgi und Harald Schubärth

Essen: Mehring Verlag 2010 (Gab es eine Alternative? Band 1); 454 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-88634-080-4
Nach Lenin war Leo Trotzki der wohl bekannteste Revolutionär des Oktoberumsturzes im Russland des Jahres 1917. Doch schon bald sollte der Name des einflussreichen Parteitheoretikers und Organisators der Roten Armee auf Betreiben Stalins – zum „Ismus” gesteigert – zum Synonym für oppositionelle Bestrebungen aller Art werden. Der Band ist die Übersetzung eines Buches, das der 1998 verstorbene Historiker Rogowin bereits zu Beginn der 90er-Jahre in russischer Sprache veröffentlicht hat. Er bildet den Auftakt einer nun abgeschlossenen sechsbändigen Reihe, die der Frage gewidmet ist, ob es eine Alternative zur bekannten stalinistischen Entwicklung im nachrevolutionären Russland hätte geben können. Die Analyse des Verfassers verlässt daher auch nie den sozialistischen Diskurs, d. h. es handelt sich um eine Untersuchung, die den inneren Zustand der Partei und der Nomenklatur thematisiert, die aber die Frage, ob es eine Alternative zum Sozialismus an sich gegeben hätte, gar nicht stellt. Der Autor neigt deshalb dazu, Lenin und Trotzki als Personen und den Sozialismus als Theorie zu verklären. In 49 kurzen Kapiteln, die sich durch ihren Detailreichtum und durch die Verarbeitung vieler nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erstmals wieder zugänglicher Dokumente auszeichnen, analysiert Rogowin u. a. die Rolle Lenins und den inneren Zustand der Partei, die unter diesem noch demokratische Züge trug, die Bedeutung Trotzkis, den Aufstieg Stalins, dessen Ränkespiele, den Aufbau des Trotzkismus als Feindbild und als Integrationsideologie und schließlich die Ausschaltung der parteiinternen Gegner, die zur Grundlage für die Errichtung von Stalins Autokratie werden sollte. Wenngleich Rogowin vorwiegend die zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts betrachtet und es an einigen Stellen an Distanz zum Sozialismus fehlen lässt, so liefert seine Detailarbeit doch einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der bolschewistischen Bewegung und einen kenntnisreichen Blick hinter die Kulissen einer um Geschlossenheit ringenden Partei.
Michael Vollmer (MV)
M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, TU Chemnitz.
Rubrizierung: 2.62 | 2.22 | 5.43 Empfohlene Zitierweise: Michael Vollmer, Rezension zu: Wadim S. Rogowin: Trotzkismus. Essen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/22985-trotzkismus_26262, veröffentlicht am 19.01.2011. Buch-Nr.: 26262 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken