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Andreas Hilger (Hrsg.)

"Tod den Spionen!" Todesurteile sowjetischer Gerichte in der SBZ/DDR und in der Sowjetunion bis 1953

Göttingen: V&R unipress 2006 (Berichte und Studien 51); 209 S.; kart., 23,90 €; ISBN 978-3-89971-286-5
Obgleich die Todesstrafe in der Sowjetunion wie auch in der SBZ offiziell stets als nur „temporäre“ und „außerordentliche“ Maßnahme zur Herstellung von Recht und Ordnung galt, blieb sie unter Chruschtschow und Breschnew ein probates Instrument zum Schutz staatlicher und staatswirtschaftlicher Interessen. Wurden bis 1947 vor allem deutsche Kriegsverbrecher, „Diversanten“ und „Terroristen“ mit dem Tode bestraft, so verurteilten die Gerichte ab 1950 vor allem „Spione“ zum Tode durch Erschießen. Mit dieser „Säuberungspraxis“ wurden aber prinzipiell als legitim erachtete Interessen und Anliegen der Sieger- und Besatzungsmacht ausgehöhlt. So zeigt Nikita Petrov in seinem Artikel, wie die auf Deutschland ab 1945 übertragene Praxis der Todesstrafe für politische Kampagnen instrumentalisiert wurde. Die gegen Einzelne verhängte Todesstrafe sollte einen Abschreckungseffekt erzielen, der noch dadurch verstärkt wurde, dass das gesamte Verfahren bis hin zur Ablehnung von Gnadengesuchen politisch kontrolliert wurde. Diese von Politbüro-Kommissionen bzw. Stalin letztlich entschiedenen Gnadenverfahren fanden, wie Olga Lavinskaja in ihrem Beitrag nachweist, selten positiven Zuspruch, was ab 1950 dazu führte, dass die Exekutionen mehrheitlich auf sowjetischem Boden (meist in Moskau) stattfanden. Die Tätigkeit der sowjetischen Militärgerichte wurde nach Gründung der DDR nicht eingeschränkt und sie behielten, wie Andreas Hilger abschließend zeigt, bis 1954 ihre Beschlusshoheit. Der Band, dem das seit 1989 erstmals zugängliche russische Quellenmaterial zugrunde liegt, zeigt auf eindrückliche Weise, wie die Anwendung der Todesstrafe in der SZB/DDR bis 1953 dazu benutzt wurde, Ziele der Besatzungspolitik durchzusetzen. Dem Aufbau einer Unrechtsjustiz in der DDR wurde damit Vorschub geleistet.
Eva Voß (EV)
Dr., Politikwissenschaftlerin, Senior Referentin für Diversity Management bei der Bertelsmann AG.
Rubrizierung: 2.62 | 2.25 | 2.314 Empfohlene Zitierweise: Eva Voß, Rezension zu: Andreas Hilger (Hrsg.): "Tod den Spionen!" Göttingen: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/26599-tod-den-spionen_31005, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 31005 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken