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Sebastian Haak

The Making of The Good War. Hollywood, das Pentagon und die amerikanische Deutung des Zweiten Weltkriegs 1945-1962

Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2013 (Krieg in der Geschichte 76); 331 S.; 44,90 €; ISBN 978-3-506-77693-8
Diss. Erfurt; Begutachtung: J. Martschukat, D. Gosewinkel. – Die Vereinigten Staaten von Amerika zehren bis heute vom Nimbus aus dem Zweiten Weltkrieg, den sie nicht nur militärisch gewannen, sondern insbesondere auch moralisch für sich verbuchen konnten. Angesichts der Gräuel der nationalsozialistischen wie japanischen Herrschaft können gegen die Rechtmäßigkeit des Eingreifens in diesen Krieg kaum Zweifel erhoben werden. Dass das Bild vom „gerechten Krieg“ die US‑amerikanische Außenpolitik bis in unsere Tage geprägt hat, zeigt nicht zuletzt die moralisch aufgeladene Propaganda im Vorfeld des Irakkriegs zu Beginn des neuen Jahrtausends. Dieses Bild vom „Good War“ entstand gleichwohl unausgewogener Aktualisierungsversuche laut Sebastian Haak in einer bestimmten Phase des Kalten Krieges, nämlich in den langen 1950er‑Jahren zwischen 1945 und 1962, und nur in dieser, da hier drei Faktoren zusammenfanden: erstens die unendliche Anzahl an persönlichen Erinnerungen und Erfahren an den und aus dem Krieg, die den wahren Kern des „Good War“ verbürgen, zweitens die genuin US‑amerikanische Deutung von Krieg und Gewalt im Sinne der Frontier‑Mythologie, das heißt, Gewalt wird als schaffend aufgefasst, sie schweißt die Menschen zusammen und verändert sie zum Positiven, und drittens die historisch einmalige Konstellation des Kalten Krieges, der mit einer als existenziell empfundenen Bedrohung durch den Kommunismus einherging. Haak schreibt eine hervorragend zu lesende Kulturgeschichte, die im Sinne des Konzepts kultureller Hegemonie von Antonio Gramsci Werke der Popkultur als Analyseobjekte anvisiert und in den US‑amerikanischen Kriegsfilmen der 1950er‑Jahre das historische Material findet, das die Genese des Bildes vom „Good War“ beeinflusst hat. Diese Vorstellung ist ferner ein Produkt der Kooperation zwischen den Filmstudios und dem Pentagon, was Haak mittels Drehbüchern, Korrespondenzen und militärischen Dienstanweisungen umfangreich belegt.
Patrick Stellbrink (PS)
M. A., Politikwissenschaftler, Promovend an der TU Chemnitz.
Rubrizierung: 2.64 | 2.21 | 2.22 | 2.23 | 4.1 Empfohlene Zitierweise: Patrick Stellbrink, Rezension zu: Sebastian Haak: The Making of The Good War. Paderborn u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36048-the-making-of-the-good-war_43728, veröffentlicht am 08.08.2013. Buch-Nr.: 43728 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken