György Dalos

1956. Der Aufstand in Ungarn. Deutsche Bearbeitung von Elsbeth Zylla

München: C. H. Beck 2006; 247 S.; geb., 19,40 €; ISBN 978-3-406-54973-1
Als 13-Jähriger erlebte Dalos den ungarischen Volksaufstand in Budapest: Ein Aufstand gegen Gewalt und Diktatur, aus Enttäuschung über die Verhinderung der Reformen unter Imre Nagy. Aus einer ursprünglich friedlichen Demokratiekundgebung entwickelte sich die ungarische Revolution zu der Tragödie, in deren Verlauf sich die Frontlinien ständig veränderten, sich gut und böse vermischten und die mit dem Einmarsch der sowjetischen Roten Armee endete. Die Chronik zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass sie nach Öffnung der Archive und durch Gespräche mit vielen Zeitzeugen die neuesten Erkenntnisse widerspiegelt, sondern sie ist auch gleichzeitig eine subtile Selbstbefragung des Autors zu den Ereignissen, denen gegenüber er im Laufe seines Lebens die widersprüchlichsten Ansichten hegte: Trauer über die Niederlage in den 50er-Jahren, Verdammung des Aufstandes als Konterrevolution als Jungkommunist in den Sechzigern, mehr Verständnis, ohne den Wunsch nach Wiederholung in den Siebzigern und der kühle Blick erst in den Achtzigern. So entsteht eine differenzierte, genaue, aber auch distanzierte Chronik, die zuweilen auch einen ironisch gebrochenen Blick auf die Ereignisse wirft und sich einer Glorifizierung verweigert.
Heinz-Werner Höffken (HÖ)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.61 Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: György Dalos: 1956. Der Aufstand in Ungarn. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/26466-1956-der-aufstand-in-ungarn_30847, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30847 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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