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Ralf Tils

Strategische Regierungssteuerung. Schröder und Blair im Vergleich

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 417 S.; brosch., 29,95 €; ISBN 978-3-531-18445-6
Politikwiss. Habilitationsschrift Lüneburg; Begutachtung: T. Saretzki, F. Müller-Rommel, H. Wiesenthal. – Die politische Strategie ist als Forschungsthematik für die Politikwissenschaft ein noch wenig erschlossenes Feld – auch wenn sich dies in jüngster Zeit wandelt. Dies ist nicht zuletzt auf die Arbeiten von Joachim Raschke und Ralf Tils zurückzuführen, die sich hier in jüngster Zeit stark engagierten. Letzterer hat nun in seiner Habilitationsschrift eine vergleichende Analyse strategischer Prozesse europäischer Parteiregierungen vorgelegt. Sein Untersuchungsgegenstand sind die Regierungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder in Deutschland und von Premierminister Tony Blair in Großbritannien. Die wesentliche Erkenntnis, die auch den geneigten Zeitungsleser nicht sonderlich überraschen dürfte, lautet: Der Brite war strategisch ambitioniert, der Deutsche hingegen eher nicht. Für Schröder konstatiert Tils deshalb eine fragmentierte strategische Steuerung, die sich in ungekoppelter Organisationssteuerung, sprunghafter Problempolitik, Konkurrenzstärke im Wahlkampf sowie situativer Regierungskommunikation ausdrückte. Dem stand eine Übersteuerung in Großbritannien gegenüber, die sich in parallelisierter Organisationssteuerung, anspruchsvoller Problempolitik, Konkurrenzstärke und kontrollorientierter Kommunikation ausdrückte. Die Analyse zeigt zudem, dass der Persönlichkeit des Regierungschefs für die Strategie-Performanz eine große Bedeutung zukommt, der institutionelle Kontext ist eher zu vernachlässigen. Für die politikwissenschaftliche Forschung ist Tils’ Arbeit sehr verdienstvoll, wenngleich der Strategie-Stil Schröders bereits in früheren Schriften von Tils (und Raschke) untersucht wurde. Reizvoll wäre auch ein direkter Vergleich des Handelns beider Regierungschefs vor dem Hintergrund derselben Herausforderung gewesen, die Kosovo-Krise hätte sich hier angeboten. Bedenkt man die beiden Ziele politischen Handelns – Machterwerb und/oder das Erreichen spezifischer Inhalte –, so zeigt Tils’ Arbeit, dass die politische Strategieanalyse zur Erklärung machtpolitischen Erfolgs oder Misserfolgs von Regierungen einiges beitragen kann. Die inhaltliche Bewertung von konkreten Policies zählt jedoch nicht dazu, diese bleibt vornehmlich der politischen oder publizistischen Auseinandersetzung vorbehalten.
Robin Rüsenberg (RRU)
Dipl.-Politologe, Berlin.
Rubrizierung: 2.21 | 2.322 | 2.32 | 2.315 | 2.61 Empfohlene Zitierweise: Robin Rüsenberg, Rezension zu: Ralf Tils: Strategische Regierungssteuerung. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34595-strategische-regierungssteuerung_41564, veröffentlicht am 05.04.2012. Buch-Nr.: 41564 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken