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Günter Manz / Ekkehard Sachse / Gunnar Winkler (Hrsg.)

Sozialpolitik in der DDR. Ziele und Wirklichkeit

Berlin: trafo verlag dr. wolfgang weist 2001; 430 S.; 30,58 €; ISBN 3-89626-301-3
Im Sozialismus wurde die Sozialpolitik eigentlich als überflüssig betrachtet. Aber die Wirklichkeit sah bekanntermaßen anders aus. Deshalb betrieb auch die DDR-Regierung eine Sozialpolitik, die sich aber in Inhalt und Form deutlich vom bundesrepublikanischen System unterschied. Ob sie aber tatsächlich noch heute von den Bürgern der ehemaligen DDR positiv gesehen werde, wie die Autoren behaupten (13), ist nicht belegt. Die Autoren - alle Wissenschaftler aus der ehemaligen DDR, die sich meist schon sehr lange mit diesem Thema beschäftigen - gehen in dem Sammelband über eine historische Bestandsaufnahme hinaus. Auch wenn dabei das Sozialsystem nicht grundsätzlich infrage gestellt wird, sind Mängel und Versagen - je nach Autor mehr oder weniger eindeutig - aufgeführt. Die wissenschaftliche Betrachtungsweise wirkt allerdings bei einigen Themen etwas abgehoben, beispielsweise in dem Abschnitt über die Behindertenpolitik. Die offiziellen DDR-Verlautbarungen und Zahlen nehmen hier relativ viel Platz ein, nüchtern wird dann festgestellt, dass oft "[...] die Behinderten nur verwahrt und nicht gefördert wurden" (364). Wer die Behindertenheime der DDR auch nur in der Nachwendezeit gesehen hat, kann mit dem Fazit nicht zufrieden sein: "In der Praxis wurden diese - potenziellen - Vorteile durch erhebliche Mängel und Unzulänglichkeiten, vor allem technische Ausstattung und fehlendes Personal, blockiert." (367) Über die Ansicht - etwas überspitzt formuliert - die DDR sei nur an Details gescheitert, lässt sich ganz gewiss streiten. Inhalt: I. Grundsätzliche Fragen der Sozialpolitik: Gunnar Winkler: Ziele und Inhalte der Sozialpolitik (13-39); Horst Barthel: Anfänge einer neuen Sozialpolitik (35-44); Günter Manz: Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik als Basis staatlicher Sozialpolitik (45-52); Gerhard Tietze: Die Spezifik der Sozialpolitik in den Betrieben, Territorien und Organisationen (53-82); Gerhard Tietze: Die Sozialpolitik - wichtiges Aufgabengebiet der Gewerkschaften (83-97). II. Aufgabenfelder der Sozialpolitik: Günter Manz: Bedürfnisse, Lebensniveau, Lebensweisen (101-121); Erich Strohbach / Reinhard Liebscher: Bevölkerungspolitik in der DDR (123-137); Gerhard Lippold: Arbeitszeit, Freizeit und Erholung (139-161); Ekkehard Sachse: Ein Beschäftigungssystem auf der Grundlage des Rechts auf Arbeit (163-178); Günter Manz: Einkommens- und Subventionspolitik (179-198); Heinz Eberth: Soziale Sicherung (Sozialversicherung der DDR) (199-212); Horst Barthel: Die Umweltpolitik der DDR (213-225); Regine Grabowski: Wohnungspolitik (227-242); Günter Wilms: Gleiche Bildungsmöglichkeiten für alle - Bildung in der DDR (243-262); Horst Spaar: Gesundheitspolitik (263-295); Gerhard Tietze: Der Gesundheits- und Arbeitsschutz (297-315); Anita Grandke: Familienpolitik (317-336); Klaus-Peter Schwitzer: Senioren (337-356); Klaus-Peter Schwitzer: Behinderte (357-369); Ekkehard Sachse: Internationale Solidarität (371-385). III. Sozialpolitik in Wissenschaft und Lehre: Gunnar Winkler: Sozialpolitische Forschung in der DDR (389-409); Renate Walther: Sozialpolitik in der Lehre (411-421).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Günter Manz / Ekkehard Sachse / Gunnar Winkler (Hrsg.): Sozialpolitik in der DDR. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/16107-sozialpolitik-in-der-ddr_18459, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18459 Rezension drucken