Skip to main content
Uwe Gerecke

Soziale Ordnung in der modernen Gesellschaft. Ökonomik, Systemtheorie, Ethik

Tübingen: Mohr Siebeck 1998 (Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften 103); X, 409 S.; geb., 148,- DM; ISBN 3-16-146917-8
Wirtschaftswiss. Diss. Ingolstadt; Erstgutachter: K. Homann. - Welche Beiträge leisten der interaktionstheoretische Ansatz der modernen Ökonomik, die Luhmannsche Systemtheorie und verschiedene Positionen der Ethik zum Verständnis des Sozialen? Gerecke analysiert diese drei Theoriestränge, von denen die ersten zwei in der Dichotomie Individualität versus Sozialität stehen, und versucht einen Paralleldiskurs aufzumachen, in dem die verschiedenen Theorien nicht als sich gegenseitig ausschließend betrachtet werden, sondern verschiedene Blickwinkel auf die gleiche Problemlage verkörpern. So vertritt der Autor die Meinung, daß verschiedene Positionen der Ethik durchaus in Kategorien der modernen Interaktionsökonomik beschrieben werden können und eine Rekonstruktion und Begründung von Demokratie in der Semantik der Ökonomik möglich und sinnvoll ist. Grundlegend dafür sei die Dilemmastruktur fast aller sozialen Probleme, in denen nur eine Entscheidung im Konsensprinzip ein Ergebnis von hohem Niveau zustandekommen läßt. Das vierte Kapitel "Zum Problem der Normativität in der modernen Gesellschaft" steht jedoch nicht gleichrangig neben den Analysen von Systemtheorie und Ökonomik: Gereckes Projekt glückt nur, weil er ein spezifisches Verständnis von Ethik aufgreift, das im Einklang mit den vorher besprochenen Theorien steht. Der Verdacht eines logischen Zirkels liegt nahe, ohne daß die Überlegungen auf diese Weise ihre analytische Aussagekraft verlören. Inhaltsübersicht: 1. Einleitung. 2. Strukturmerkmale der modernen Gesellschaft: 2.1 Funktionale Differenzierung; 2.2 Individualisierung; 2.3 Organisationen; 2.4 Systemtheorie: Gesellschafts- und/oder Interaktionstheorie? 3. Interaktionsökonomik und das Problem der sozialen Ordnung: 3.1 Zur Konvergenz ökonomischer Forschungsprogramme; 3.2 Ökonomik als Interaktionstheorie; 3.3 Soziale Ordnung: die interaktionsökonomische Perspektive; 3.4 Systemtheorie und Ökonomik. 4. Zum Problem der Normativität in der modernen Gesellschaft: 4.1 Interaktionsökonomik und Normativität; 4.2 Praktischer Syllogismus; 4.3 Ethik in der funktional differenzierten Gesellschaft; 4.4 Zum Paralleldiskurs von Ethik und Ökonomik; 4.5 Moralkonzepte und sozialwissenschaftliche Forschung. 5. Paralleldiskurs und das Problem der sozialen Ordnung.
Carsten Ungewitter (CU)
Rubrizierung: 5.42 | 2.21 | 2.2 Empfohlene Zitierweise: Carsten Ungewitter, Rezension zu: Uwe Gerecke: Soziale Ordnung in der modernen Gesellschaft. Tübingen: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/5808-soziale-ordnung-in-der-modernen-gesellschaft_7542, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 7542 Rezension drucken