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Nicholas Shaxson

Schatzinseln. Wie Steueroasen die Demokratie untergraben. Aus dem Englischen von Peter Sträuber

Zürich: Rotpunktverlag 2011; 416 S.; brosch., 24,50 €; ISBN 978-3-85869-460-7
„Effizient für wen?“ (368). Der britische Journalist Shaxson wendet sich gegen die Vorstellung, dass die Effizienz des globalen Finanzsystems durch Steueroasen erhöht wird. Ganz im Gegenteil würden die mit ihnen verbundenen Offshore-Aktivitäten Steuerbemessungsgrundlagen aushöhlen, Handels- und Investitionsflüsse verzerren und die gesellschaftliche Akzeptanz von Steuersystemen untergraben. Diese Einschätzung wird auch von der OECD geteilt, die im Jahr 2000 eine schwarze Liste mit 35 Steueroasen veröffentlichte. Der Autor seziert die Strukturen dieses sogenannten Offshore-Systems. Dabei verweist er auf dessen geistige Väter wie den amerikanischen Wirtschaftstheoretiker Daniel J. Mitchell und die Problematiken von Gesellschaftsformen wie des Limited Liability Partnership (LLP). Im Zentrum steht für Shaxson allerdings die City of London, die für ihn einer Spinne gleich ein weltumspannendes Netz der Steuerhinterziehung webe. Als Maßnahmen zur Eindämmung des gefährlichen Offshore-Systems verlangt Shaxson die Wiedereingliederung des Finanzplatzes City of London in das demokratische System Großbritanniens. Zudem müsse der Schaden, den das US-amerikanische Finanzsystem weltweit angerichtet habe, begriffen und eingedämmt werden. Shaxson sieht die USA hierbei in der Rolle einer Schattenfinanzmacht. Neben der Reform des Finanzsystems fordert er insbesondere von den Konzernen Transparenz in Bezug auf ihre Geschäftstätigkeit – als Ausgleich für von der Gesellschaft gewährte Privilegien wie die Übernahme von Schulden und die Befreiung von der Gebietskörperschaft. Steueroasen – und dabei unterscheidet Shaxson nicht zwischen der Schweiz und den Cayman Inseln – dienten der Geldwäsche, förderten die Korruption und würden durch die Möglichkeit der Steuerhinterziehung dazu beitragen, dem Gemeinwohl dienende Systeme zu untergraben und die weltweite Ungerechtigkeit zu zementieren. Shaxson liefert eine brillante Analyse der neuralgischen Punkte des weltumspannenden Finanzsystems.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.43 | 2.22 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Nicholas Shaxson: Schatzinseln. Zürich: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34389-schatzinseln_41296, veröffentlicht am 27.01.2012. Buch-Nr.: 41296 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken