Wiebke Pekrull

Religiosität und Identität. Identitätsbildung in den neuen Bundesländern

Marburg: Tectum Verlag 2014 (Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften 61); 513 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-8288-3396-8
Diss. Marburg; Begutachtung: D. Kaesler. – Ob die Religion wiederkehrt oder die Säkularisierung weiter voranschreitet, gilt in der Religionssoziologie als umstritten. Sicher ist jedoch die Besonderheit der religiösen Landschaft in Ostdeutschland, die eine der säkularisiertesten Gegenden der Welt ist. Wiebke Pekrull untersucht, wie es genau um die Religion in den ostdeutschen Ländern bestellt ist. Zunächst vertritt sie die These, dass eine zentrale Ursache für die unterschiedliche religiöse Situation in Ost‑ und Westdeutschland nicht erst in den 40 Jahren Staatssozialismus mit seiner antireligiösen Politik, sondern in der historischen Prägung durch regionalspezifische Aspekte der Reformation und Gegenreformation liegt. Nach einem theoretischen Abschnitt über soziologische Konzepte zum Verhältnis von Religion und Identität konzentriert sich Pekrull in den folgenden Kapiteln auf die Beziehung von personaler Identität und Religiosität. Methodisch gelingt ihr das über eine explorative Studie, in der sie „narrativ‑lebensgeschichtliche Interviews“ (16) mit fünf jungen ostdeutschen Erwachsenen zwischen 18 und 35 Jahren führt. Auf der Basis des biografischen Hintergrunds, der Herausbildung der religiösen Identität, der eigenen Definition von Religion und Religiosität sowie den Erfahrungen mit Kirche und Religion in Ostdeutschland wird eine Typologie für das dortige Verständnis von Religion und Identität entworfen. Pekrull identifiziert den Typ des „religiös Unmusikalischen“ (389), der kein Interesse an Religion hat und in seiner Identität entsprechend nicht von ihr beeinflusst wird. Dem zweiten Typ ordnet die Autorin „metaphysisch Interessierte ohne Zwang zur Häresie“ (392) zu, worunter sie ein diffuses metaphysisches Interesse fasst, das einen Einfluss religiöser Fragen auf die Identität eines Menschen zulässt, ohne dass dieser jedoch religiös ist. Der dritte Typ umfasst „die vor und nach der Wende institutionell Organisierten“ (393), die schon religiös waren und noch immer sind, weshalb Religion als zentrale Identitätsressource dient. Zuletzt identifiziert Pekrull „die nach der Wende Konvertierten“ (394), die nun in ihrer Identität in bestimmten Bereichen religiös beeinflusst werden. Die Haltung zur Religion wird dabei geprägt durch die eigene Familie sowie den Blick, der auf das Verhältnis von Wissenschaft und Religion sowie von Ethik und Religion eingenommen wird.
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Rubrizierung: 2.352.3252.3142.315 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Wiebke Pekrull: Religiosität und Identität. Marburg: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39055-religiositaet-und-identitaet_47462, veröffentlicht am 05.11.2015. Buch-Nr.: 47462 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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