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Andreas Hoffmann-Ocon / Adrian Schmidtke (Hrsg.)

Reformprozesse im Bildungswesen. Zwischen Bildungspolitik und Bildungswissenschaft

Wiesbaden: Springer VS 2012; 240 S.; 34,95 €; ISBN 978-3-531-17825-7
Beispielhaft analysieren die Autoren einzelne „Etappen der Bildungsreform(en) in Deutschland und der Schweiz seit Mitte der 1960er Jahre bis zur Gegenwart“ (10). Verdienstvoll ist es dabei, dass sie versuchen, die wissenschaftliche Diskursebene mit der Ebene der institutionellen Praxis zu verbinden. Die Beiträge gehen auf das Symposium „Reformprozesse im deutschen und schweizerischen Bildungswesen zwischen Bildungspolitik und Bildungswissenschaft“ anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft im Jahr 2010 in Mainz zurück. Da es nur wenige historische Analysen zu den Reformdiskursen über die Vorschule sowie die Sekundarstufe I und II gibt, sind – mit Blick auf die Bundesrepublik – vor allem Adrian Schmidtkes und Katja Kochs Aufsätze lesenswert. Eindrucksvoll zeichnet z. B. Schmidtke die wissenschaftlichen Themenkonjunkturen zu den Fragen Kindergarten und Vorschule in den Jahren 1960 bis 1984 nach, sie weisen in Vierjahresabständen regelmäßig massive Ausschläge auf. Spannend ist auch der Perspektivwechsel, den der Band anstrebt, indem er – basierend auf Arbeiten der historischen Bildungsforschung in den USA – die Frage „Wie verändern politisch initiierte Bildungsreformen Schulen?“ (11) umkehrt und stattdessen fragt: Wie verändern Schulen Bildungsreformen? Dieser Ansatz rückt das Lobbyingpotenzial der Schulen in eigener Sache, das immer wieder gerne übersehen wird, in den Mittelpunkt. Allerdings herrsche gerade unter Lehrkräften die weitverbreitete Auffassung vor, dass Bildungspolitik und -verwaltung eigene Interessen verfolgten, die allenfalls bedingt auf das Wohl von Kindern und Jugendlichen und entsprechende Qualitätsverbesserungen des schulischen Unterrichts gerichtet seien. Insgesamt hätten diesem Band noch weitere Gegenwartsbezüge sehr gut getan – auch wenn z. B. der Beitrag von Carsten Quesel aktuelle Debatten zu Fragen der Hochschulreife in Deutschland und der Schweiz aufgreift und dabei auch das Eigenlobbying der standesrechtlichen Vereinigungen thematisiert.
Henrik Scheller (HS)
Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.263 | 2.5 | 2.343 Empfohlene Zitierweise: Henrik Scheller, Rezension zu: Andreas Hoffmann-Ocon / Adrian Schmidtke (Hrsg.): Reformprozesse im Bildungswesen. Wiesbaden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33676-reformprozesse-im-bildungswesen_40334, veröffentlicht am 16.08.2012. Buch-Nr.: 40334 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken