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Rolf Kappel / Hans Werner Tobler / Peter Waldmann (Hrsg.)

Rechtsstaatlichkeit im Zeitalter der Globalisierung

Freiburg i. Br.: Rombach Verlag 2005 (Rombach Wissenschaften: Reihe Historiae 17); 561 S.; pb., 39,90 €; ISBN 3-7930-9378-6
Die zentrale notwendige Voraussetzung für die Herausbildung von Rechtsstaatlichkeit sei nicht die Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols, sondern die Entwicklung eines gesellschaftlichen Verständnis von Recht und einer sozialen Selbstdisziplin der Bürger. Mit dieser These im Rahmen einer historischen Reflexion über den (west-)europäischen Weg zur Rechtsstaatlichkeit leitet Wolfgang Reinhard, Professor für neuere Geschichte in Freiburg, diesen umfangreichen Sammelband ein. Es folgen, einem breiten thematischen Ansatz und multidisziplinären Zugang folgend, Beiträge zu unterschiedlichen Formen der Staatsbildung und Rechtsstaatsentwicklung in historischer Perspektive, zu den Gefährdungen des Rechtsstaates durch Kriege, Diktaturen und Terrorismus, ferner zu den Transformationsprozessen von diktatorischen Regimen zu demokratischen Rechtsstaaten sowie zu den vielfältigen Formen von Rechtsstaatlichkeit in Entwicklungsländern. Im Mittelpunkt des letzten Themenkomplexes stehen Lateinamerika und Indien, ein weiterer Beitrag findet sich zu Afrika. Auch das Verhältnis des Islams zu Menschenrechten und Demokratie wird thematisiert. Insgesamt erscheine in einer umfassenden geschichtlichen Perspektive die Entwicklung des modernen westlichen Rechtsstaates eher als Ausnahme denn als Regelfall, so der Augsburger Soziologie-Professor Waldmann abschließend. Das Recht lasse sich nicht mechanisch transplantieren, sondern müsse durch eine entsprechende Entwicklung in den Köpfen der Menschen abgesichert sein. Aus dem Inhalt: I. Der ‚klassische’ europäische Weg: Historische Entwicklungen – Herausforderungen im 20. Jahrhundert: Wolfgang Reinhard: Rechtsstaat und Staatsgewalt: Historische Reflexionen (33-48), Andreas Suter: Probleme des Rechtsstaates: Die schweizerische Entwicklung als Sonderfall? (49-76), Jürgen Zarusky: Das „Recht“ des Unrechtsstaates am Beispiel des Dritten Reichs (77-95), Jürgen Zarusky: Von der Autokratie zum Totalitarismus und wieder zurück? Staatsentwicklung und (fehlende) Rechtsstaatlichkeit in Rußland vom Reformzaren Alexander II. bis zu Putins „gelenkter Demokratie“ (97-132). II. Diktatur, Demokratisierung und Verwirklichung des Rechtsstaates in Transitions- und Transformationsländern: Carsten Goehrke: Rußland: Transformationschancen und historisches Erbe (135-153), Jakob Juchler: Systemwechsel, historisches Erbe und externer Anpassungsdruck – zur Rechtsstaatentwicklung in Osteuropa (155-175), Walther L. Bernecker: Die Transition in Spanien. Vom franquistischen Unrechtsregime zum liberalen Rechtsstaat (177-201), Peter Waldmann: Die Nachwirkungen der Militärdiktatur auf den Rechtsstaat in Lateinamerika am Beispiel Argentiniens und Chiles (203-232). III. Infragestellung des Rechtsstaates durch Krieg und Terrorismus: Stig Förster: Rechtsstaat und Krieg. Eine Skizze (235-253), Helen Keller: Nach dem 11. September 2001 – Terrorismusbekämpfung als Herausforderung des Rechtsstaates (255-280). IV. Rechtsstaat und Entwicklungsländer: Ernesto Garzón Valdés: Alternative Normensysteme zur staatlichen Rechtsordnung in Lateinamerika (283-300), Wolfgang Gabbert: Rechtsstaat und Rechtspluralismus in Lateinamerika (301-318), Heinrich-W. Krumwiede: Probleme sozialer Rechtsstaatlichkeit in Lateinamerika (319-340), Julia Eckert: Indisches Oxymoron: Rechtsstaat ohne Rule of Law (341-374), Erdmute Alber: Hexerei, Selbstjustiz und Rechtspluralismus in Benin (375-402), Gudrun Krämer: Islam, Menschenrechte und Demokratie. Anmerkungen zu einem schwierigen Verhältnis (403-420). V. Implementierung von Rechtsstaat und Rechtsstaatsreformen: Rolf Kappel: Rechtsstaat, Offenheit und Wirtschaftspolitik: Bestimmungsgrößen wirtschaftlicher Entwicklung im Wechselspiel (423-445): Ruedi Baumgartner: Gute Regierungsführung im indischen Dorf: Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit aus entwicklungspolitischer Sicht (447-471), Helen Ahrens: Möglichkeiten und Grenzen externer Unterstützung rechtsstaatlicher Reformen am Beispiel Lateinamerikas (473-498), Carola Schmid: Die Polizei als Akteurin des (Rechts-)Staats: Die chilenische und venezolanische Polizei im Vergleich (499-527), Peter Waldmann: Staatsentwicklung und Rechtsstaatlichkeit: Zwischenbilanz des Diskussionsstandes (529-556)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.21 | 2.23 | 2.25 | 2.2 | 2.61 | 2.62 | 2.65 | 2.67 | 2.68 | 2.5 | 2.312 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Rolf Kappel / Hans Werner Tobler / Peter Waldmann (Hrsg.): Rechtsstaatlichkeit im Zeitalter der Globalisierung Freiburg i. Br.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/21407-rechtsstaatlichkeit-im-zeitalter-der-globalisierung_24985, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 24985 Rezension drucken