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Richard Thoma (Hrsg.)

Rechtsstaat – Demokratie – Grundrechte. Ausgewählte Abhandlungen aus fünf Jahrzehnten. Hrsg. und eingeleitet von Horst Dreier

Tübingen: Mohr Siebeck 2008; LXXXI, 606 S.; Ln., 99,- €; ISBN 978-3-16-149764-3
Der Band versammelt wichtige, teilweise schlecht zugängliche Aufsätze eines der interessantesten Staatsrechtslehrer des 20. Jahrhunderts. Charakteristisch ist dabei namentlich die vergleichsweise zurückhaltende, im Vergleich zu Kelsen, Heller, Smend und Schmitt deutlich weniger polarisierende und polemisierende Grundhaltung Thomas, die etwa in seiner erst relativ spät erfolgten, dann aber konsequent durchgehaltenen Hinwendung zu Demokratie und Republikanismus zum Ausdruck kommt und das Werk prägt. In seiner äußerst lesenswerten Einleitung erläutert Dreier die in chronologischer Reihenfolge geordneten Beiträge mit Blick auf die titelgebende grobe Dreigliederung der Themenschwerpunkte: erstens Abhandlungen zum Rechtsstaat, die insbesondere der Bedeutung der Gerichte als Kontrollinstanzen in einem funktional gegliederten System gewidmet sind und insoweit die anfängliche Skepsis hinsichtlich richterlicher Prüfungsbefugnisse gegenüber Gesetzen in eine wohldurchdachte, aber auch wohlwollende Kritik des Bundesverfassungsgerichts überführen; zweitens Arbeiten zur Demokratie, in denen schon früh die grundlegende Bedeutung der politischen Parteien anerkannt wird, die aber auch in der Weimarer Zeit konkrete Vorschläge zur Wahlrechtsreform enthalten, die verblüffende Ähnlichkeiten zum geltenden Recht aufweisen; drittens schließlich Überlegungen zu den Grundrechten, die zwar nicht im Sinne einer grundsätzlich liberalen, einer extensiven Schutzbereichsinterpretation das Wort redenden Lesart, sondern nur im Sinne einer generellen Effektivität der Grundrechte zu verstehen sind, aber vor allem mit der Betonung der Schrankensystematik Maßstäbe setzen. Wenngleich Thoma in der Wahrnehmung hinter noch prominenteren Figuren der (Weimarer) Staatsrechtslehre zurücksteht, so zeigt die mit diesem Band mögliche (erneute) Lektüre doch klar, warum seine Gedanken auch für aktuelle Probleme gleichermaßen anschlussfähig wie aufschlussreich sind.
Steffen Augsberg (AU)
Prof. Dr., Professur Öffentliches Recht, Justus-Liebig-Universität Gießen.
Rubrizierung: 5.41 | 2.3 | 2.32 | 2.311 | 2.313 Empfohlene Zitierweise: Steffen Augsberg, Rezension zu: Richard Thoma (Hrsg.): Rechtsstaat – Demokratie – Grundrechte. Tübingen: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30161-rechtsstaat--demokratie--grundrechte_35760, veröffentlicht am 26.02.2009. Buch-Nr.: 35760 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken