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Andreas Pettenkofer

Radikaler Protest. Zur soziologischen Theorie politischer Bewegungen

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010 (Theorie und Gesellschaft 67); 301 S.; kart., 32,90 €; ISBN 978-3-593-38760-4
Diss. Erfurt (erster Teil); Gutachter: H. Joas, A. Bora. – Die Schwächen der Rational Choice-Theorie bei der Erklärung großer Protestbewegungen stehen im Mittelpunkt des ersten Teils dieser Studie. Diese Theorie basiert auf der Grundannahme, dass die Protesthandlungen einer sozialen Bewegung auf der Grundlage von rationellen Erfolgserwartungen entstehen. Pettenkofer kritisiert, dass damit lediglich Bewegungen erklärt werden, die durch strategische Manipulation entstehen – nicht aber jene, die sich zum Beispiel nicht an institutionellen Veränderungen orientieren. Hierzu gibt der Autor einen gut strukturierten, kritischen Überblick über die aktuelle Bewegungsforschung und zeigt deren Abhängigkeit vom rationalistischen Paradigma auf. Besonders lesenswert ist dabei der Exkurs über die Entstehung der Bewegungsforschung als Rechtfertigungsrhetorik im Kontext sozialer Protestbewegung in den Vereinigten Staaten zwischen den 60er- und 70er-Jahren. Im zweiten Teil stellt Pettenkofer alternativ zu dem von ihm im ersten Teil kritisierten rationalistischen Standardmodell Erklärungsansätze vor, die auf den Annahmen einiger Klassiker der Soziologie wie u. a. Weber und Durkheim basieren. Dabei betont er, dass es sich hierbei nicht um fertige Theorien des sozialen Protests handelt, sondern dass die von ihm genannten Ansätze als Bausteine für eine allgemeine Theorie dienen könnten. Die von Pettenkofer genannte pragmatische Perspektive stellt die Handlung in den Vordergrund. Sie findet nicht durch die rationelle Analyse der aktuellen Gelegenheit statt, sondern ist eher ein Teil des Prozesses, in den Aspekte wie Identität, Karriere und sozial erzeugte Ordnungsmuster einfließen. Die Bausteine münden in etwas, was der Autor in Anlehnung an Bourdieus Feld-Konzept Protestfeld nennt, welches die Beständigkeit von Sozialen Bewegungen und dadurch von sozialem Wandel erklären kann. Es ist jederzeit ein roter Faden innerhalb des Textes zu erkennen – im ersten Teil stellt Pettenkofer erst die Grundlagen der aktuellen Bewegungsforschung dar und geht dann auf die einzelnen Sonderformen ein. Im zweiten Teil zeigt er die verschiedenen Bausteine und ihre Relevanz für eine Theorie der Sozialen Bewegung. Aufgrund des theoretischen Inhalts und der dadurch bedingten, teils speziellen Fachsprache richtet sich dieser Band allerdings an mit dem Thema vertraute Leser.
Jan Karsten Biermann (JKB)
M. A., Politikwissenschaftler, Promotionsstudent, Institut für Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 5.42 | 5.46 Empfohlene Zitierweise: Jan Karsten Biermann, Rezension zu: Andreas Pettenkofer: Radikaler Protest. Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29988-radikaler-protest_35542, veröffentlicht am 30.08.2010. Buch-Nr.: 35542 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken