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Marie-Luise Ehls

Protest und Propaganda. Demonstrationen in Berlin zur Zeit der Weimarer Republik

Berlin/New York: Walter de Gruyter 1997 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin 92); X, 479 S.; Ln., 268,- DM; ISBN 3-11-015618-0
Diss. FU Berlin. - Die Autorin untersucht das Demonstrationsverhalten der relevanten Parteiungen während der Weimarer Republik am Beispiel der Hauptstadt Berlin. Einen großen Raum nimmt dabei ein deskriptiv-empirischer Tabellenblock in der Mitte der Abhandlung ein, der, in Monatszyklen gegliedert und aufgeschlüsselt nach Organisatoren, Teilnehmerzahl und Spezifik, als nützliche Quellenbasis für die nachfolgenden analytischen Ableitungen dient. Sehr deutlich wird, wie stark das staatliche Sicherheitsverlangen das Ausüben des in der Verfassung zugestandenen Demonstrationsrechts überlagerte und beschnitt. Strenge Restriktionen ("in Berlin waren Demonstrationen etwa sechs Jahre, also fast die Hälfte des 14-jährigen Untersuchungszeitraums verboten oder eingeschränkt" [436]) verhinderten, so eine zentrale These, gerade in der Endzeit der Republik ein öffentliches Auftreten auch der demokratietreuen Kräfte, ohne daß dadurch die Gewalt auf den Straßen abnahm. Wertvoll ist die Arbeit auch durch die Gegenüberstellung der differierenden Demonstrationspolitik der einzelnen politischen und weltanschaulichen Verbände und Parteien im letzten Teil. Der Preis des Buches ist mit 268,- DM allerdings so überreizt wie, so läßt die geschilderte Unzahl an entgleisten Massenversammlungen vermuten, zunehmend die Nerven des bemitleidenswerten Preußischen Innenministers.
Kaspar Nürnberg (KN)
M. A., Historiker, Geschäftsführer des Vereins Aktives Museum, Berlin.
Rubrizierung: 2.311 | 2.331 Empfohlene Zitierweise: Kaspar Nürnberg, Rezension zu: Marie-Luise Ehls: Protest und Propaganda. Berlin/New York: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/6222-protest-und-propaganda_8456, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 8456 Rezension drucken