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Christoph J. Virgl

Protest in der Weltgesellschaft

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 243 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-531-18107-3
Politikwiss. Diss. Wien. – Protest in der Weltgesellschaft im Sinne einer Konflikt- und Widerspruchskommunikation, so die zentrale These in diesem systemtheoretisch ausgerichteten Band, bedarf angesichts seiner vielfältigen Erscheinungsformen einer theoretischen Fundierung. Getreu der Luhmann'schen Aussage, wonach „der Weg zum Konkreten […] den Umweg über die Abstraktion“ (20) erfordere, unternimmt Virgl also den Versuch, aus dem in theoretischer Hinsicht „ungesicherten Gelände“ (21) rund um den Begriff Protest herauszutreten: „Diese Arbeit versteht sich in erster Linie als ein Versuch, Protest als eine spezifische Kommunikationsform in die sozialwissenschaftliche Debatte einzubringen.“ (227) Leider, so muss man nach der Lektüre festhalten, gelingt die Umsetzung dieses selbst gesteckten Ziels nicht durchgängig – zu unvermittelt stehen ein durchaus elaboriertes, systemtheoretisch fundiertes Theorieprogramm und eine Ansammlung diverser Fallbeispiele aus dem globalen Protestspektrum sowie diverse weitere Theoriesegmente einander gegenüber. Woran liegt das? Die von Virgl angestrebte Formulierung „präziser Typologien und Dimensionen einer Theorie des Protests“ (145, die sich in dem Band aber nicht finden lässt) scheitert, weil es systemtheoretisch betrachtet – und das scheint ja die theoretische Hauptreferenz Virgls zu sein – gar nicht um die idealtypische Zuspitzung des Begriffes gehen kann. Es muss in erster Linie um die Erschließung der funktionalen Relevanz von Protest im Rahmen kommunikativer Prozesse gehen. Dann ließe sich Protestforschung jedoch in erster Linie fallbezogen umsetzen und nicht in einer generalisierenden, vor allem nicht in einer typologisierenden Absicht, wie Virgl das vorhat. Warum dann im fünften Kapitel die Gewalt- und Protestforschung zueinander vermittelt werden und das sechste Kapitel ausgerechnet dem Begriffspaar Inklusion/Exklusion gewidmet ist, erschließt sich zudem auch nicht wirklich. Dass darüber hinaus die Protestforschung sowie die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt ein signifikantes Forschungsdesiderat darstellte, wie der Autor immer wieder insinuiert, ist nicht nachvollziehbar – genauso wenig wie die zahlreichen Rechtschreib-, Grammatik- und auch typografischen Fehler, die die Arbeit trotz des vermerkten Lektorats von Anfang bis Ende durchziehen.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.22 | 2.25 | 2.2 | 5.42 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Christoph J. Virgl: Protest in der Weltgesellschaft Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34005-protest-in-der-weltgesellschaft_40758, veröffentlicht am 21.07.2011. Buch-Nr.: 40758 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken