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Janine Dahinden

Prishtina - Schlieren. Albanische Migrationsnetzwerke im transnationalen Raum

Zürich: Seismo 2005 (Sozialer Zusammenhalt und kultureller Pluralismus); 355 S.; 32,70 €; ISBN 3-03777-035-X
Die Autorin analysiert die sozialen Netzwerke von insgesamt 51 Kosovo-Albanern und arbeitet deren Relevanz für die Migrationsverläufe heraus. Sie erörtert die Bedeutung der Netzwerke für drei Stationen der Migration: die Migrationsentscheidung, die Integration in das Aufnahmeland Schweiz und die Wiedereingliederung nach der Rückkehr in den Kosovo. Die auf qualitativen Interviews beruhende Untersuchung ermöglicht eine differenzierte Betrachtung von sozialen Netzwerken, die über die Fragestellung hinaus auch allgemein für die Netzwerkforschung von Interesse ist. Keineswegs bestünden die Netzwerke der albanischen Migranten überwiegend aus Familienmitgliedern, wie vielfach angenommen wird. Vielmehr existierten auch emotional bedeutsame Verbindungen zu Freunden und Bekannten. Wichtig seien zudem die von der Forschung kaum beachteten Kontakte zu Mitarbeitern von Institutionen, die häufig eine wesentliche Rolle für den Verlauf der Migration spielten. Die in der Netzwerkforschung vielfach herausgearbeitete funktionale Differenzierung von starken und schwachen Bindungen sei für die betrachteten Migranten von untergeordneter Bedeutung. Zentral sei vielmehr die Existenz von so genannten Brückenbeziehungen, die den Migranten Zugang zu Informationen oder Hilfen außerhalb ihres persönlichen Umfeldes verschafften. Große soziale Netzwerke - üblicherweise als Ressource verstanden - seien auch nicht als grundsätzlich positiv zu bewerten. Eine hohe Zahl an Sozialkontakten könne sich vielmehr negativ auf den Migrationsverlauf auswirken. Dies sei immer dann der Fall, wenn beispielsweise durch eine enge Einbindung und eine starke soziale Kontrolle die Integration in das Aufnahmeland und die Eroberung neuer Handlungsspielräume erschwert würden. Entscheidend für eine positive Wirkung von Netzwerken sei vielmehr die Qualität der Kontakte, gemessen etwa an den Ressourcen der Kontaktperson sowie den Möglichkeiten der Migranten, diese auch tatsächlich abrufen zu können, um in den Genuss von Unterstützungsleistungen zu gelangen.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 4.42 | 2.61 | 2.5 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Janine Dahinden: Prishtina - Schlieren. Zürich: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/23954-prishtina---schlieren_27546, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 27546 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken