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Frank Nullmeier / Dominika Biegoń / Jennifer Gronau / Martin Nonhoff / Henning Schmidtke / Steffen Schneider

Prekäre Legitimitäten. Rechtfertigung von Herrschaft in der postnationalen Konstellation

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010 (Staatlichkeit im Wandel); 269 S.; kart., 32,90 €; ISBN 978-3-593-39211-0
Der Sammelband spiegelt in sieben Aufsätzen die aktuelle Debatte um einen zeitgemäßen Legitimitätsbegriff wider. Legitimität, die sie als das Ergebnis eines permanenten, diskursiven Vermittlungsgeschehens beschreiben, verorten die Autoren dabei sowohl innerhalb als auch außerhalb von Nationalstaaten: Der Band bietet eine „vergleichende empirische Untersuchung öffentlicher Legitimationskommunikation zu den politischen Ordnungen von vier ausgewählten Nationalstaaten sowie von UNO, G8 und EU.“ (11). Diese Selbstbeschränkung bleibt bestehen, obschon, wie Nullmeier in seiner Einleitung betont, im postnationalen Zeitalter auch Organisationen und Regimes im weitesten Sinne für Fragen der Legitimitätsgenerierung relevant werden. Anhand einer auf den Zeitraum von zehn Jahren angelegten Zeitschriftenanalyse wird systematisch für die Schweiz, Deutschland, Großbritannien und die USA sowie für die drei genannten Organisationen erhoben, inwiefern „sich die öffentliche Zuschreibung von Legitimität in den neuen Konstellationen globalen Regierens verändert“ (13) hat. Dabei erweist sich die Unterschiedlichkeit der politischen Ordnungsformen – vom Nationalstaat über intergouvernementale sowie supranationale bis hin zu internationalen Organisationen – als „ungewöhnlich“ (13). Sie vermag aber insofern innovative Ergebnisse zu liefern, als durch diese Zusammenstellung der Analyseobjekte die Disziplingrenze zwischen der Vergleichenden Politikwissenschaft und den Internationalen Beziehungen aufgehoben wird. Im Ergebnis könne die Legitimität der untersuchten Demokratien und internationalen Regimes „treffend mit dem Begriff „prekär“ bezeichnet werden“ (243), schreibt Nullmeier. Ob mit dieser Diagnose eine Renaissance nationalstaatlicher Legitimität einhergeht, oder aber, ob sich anhand des Vorbildes der G8/G20, jener gegenwärtig als wirkmächtig erlebten „Club-Versammlung der Starken dieser Welt“ (247), eine neue Ebene der Legitimierung auf Basis einer „staatenrepräsentativen Weltregierung“ (248) etablieren wird, bleibt offen.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 4.3 | 3.1 | 4.1 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Frank Nullmeier / Dominika Biegoń / Jennifer Gronau / Martin Nonhoff / Henning Schmidtke / Steffen Schneider: Prekäre Legitimitäten. Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32290-prekaere-legitimitaeten_38533, veröffentlicht am 03.11.2010. Buch-Nr.: 38533 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken