Ana Honnacker

Post-säkularer Liberalismus. Perspektiven auf Religion und Öffentlichkeit im Anschluss an William James

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2015 (Studien zu Religion, Philosophie und Recht 2); 386 S.; 74,- €; ISBN 978-3-8487-1972-3
Diss. Frankfurt; Begutachtung: T. M. Schmidt, H. Schulz. – Ana Honnacker geht in ihrer politisch‑philosophisch akzentuierten Arbeit der Frage nach, welche Rolle Religion in einer sich selbst als modern und liberal verstehenden Gesellschaft spielen dürfe und könne. Dabei ist es insbesondere der Absolutheitsanspruch religiöser Dogmen, der in Konflikt mit einer sich selbst als pluralistisch begreifenden Gesellschaft steht. Unter Rückgriff auf die in der politischen Philosophie hierzulande wenig rezipierten pluralismus‑ und religionstheoretischen Überlegungen von William James, die in dieser Arbeit ausführlich rekonstruiert werden, vermag Honnacker die Problematik aus einer analytisch reizvollen Perspektive zu entfalten. James hatte auf die Unhintergehbarkeit einer pluralistischen Weltsicht ebenso bestanden wie auf der Tatsache, dass religiöse Dogmen ebenso wie anderweitige Überzeugungen ihre grundsätzliche Berechtigung haben. Daraus leitet Honnacker für den Umgang mit Religion in der politischen Öffentlichkeit ab, dass letztlich die prozeduralen Verfahren zur Vermittlung massiv divergierender oder gar einander ausschließender Positionen entscheidend seien. Sie favorisiert Verfahren der Deliberation, da diese dem permanenten Hervorbringungscharakter des Demokratisch‑Politischen ebenso entgegenkomme wie der erkenntnistheoretischen Position von James, der auf einem an das Individuum gekoppelten, unabschließbaren Anreicherungsprozess weltlicher Erfahrung bestehe. In der praktischen Anwendung würde das Verfahren nicht etwa auf Toleranz, sondern – trotz aller liberalen Grundierung von Honnackers Analyse – auf ein „Modell qualifizierter Inklusion“ (357) hinauslaufen, die ihrerseits nie an ihr Ende käme. „Kritik, Dissens und Transformation“, so das Fazit, „sind die Leitbegriffe einer liberalen und demokratischen Deliberation im Anschluss an William James“ (358). Das wäre dann allerdings keine post‑säkulare liberale Gesellschaft, sondern vielmehr eine, die das Problem der Pluralität von Weltanschauung bei gleichzeitiger Behauptung heuristischer Exklusivität immer wieder neu auszuhandeln hätte.
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Rubrizierung: 5.435.46 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Ana Honnacker: Post-säkularer Liberalismus. Baden-Baden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40013-post-saekularer-liberalismus_47796, veröffentlicht am 18.08.2016. Buch-Nr.: 47796 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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