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Ralf Lindner

Politischer Wandel durch digitale Netzwerkkommunikation? Strategische Anwendung neuer Kommunikationstechnologien durch kanadische Parteien und Interessengruppen

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007 (Politikwissenschaftliche Paperbacks 39); 441 S.; brosch., 44,90 €; ISBN 978-3-531-15234-9
Politikwiss. Diss. Augsburg, Erstgutachter: R.-O. Schultze. – Auch nach über einem Jahrzehnt des Aufstiegs des Internets zum Massenmedium besteht erhebliche Unsicherheit darüber, welchen qualitativen Politik- und Demokratiewandel die Anwendung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien zu bewirken vermag. Während zu Beginn ihres Aufkommens in den 90er-Jahren Beobachter von einer vollständigen Demokratisierung des politischen Raumes und neuen Formen der direkten Demokratie durch das Internet ausgingen, ist mittlerweile eine nüchternere Perspektive eingezogen. Zwar gibt es kaum Zweifel daran, dass die computervermittelte Kommunikation politische Prozesse in den entstehenden Informations- und Wissensgesellschaften verändern wird und bereits verändert hat. Unklar ist aber, wie weitreichend und von welcher Qualität die damit verbundenen Struktur- und Prozessveränderungen sein werden. Anhand der umfassenden Analyse der digitalen Kommunikationsstrategien acht kanadischer intermediärer Organisationen unterschiedlichster politischer Färbung geht der Autor, Projektleiter in der Abteilung „Neue Technologien“ des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), vor diesem Hintergrund der Frage nach, welche Faktoren erklären, weshalb Akteure der mittleren Ebene unterschiedliche Informationsangebote unterbreiten, ihren Anhängern erweiterte Partizipationsgelegenheiten eröffnen oder verwehren und selektiv technische Instrumente zur Unterstützung ihrer Strategien zur Interessendurchsetzung aufgreifen. In der Einschätzung der Wirkung des neuen Mediums kommt der Autor zu einem gemischten Urteil: Einerseits könne Wandel behindert werden, indem das Beharrungsvermögen von etablierten Strukturen den Prozess der Aneignung der Technologie prägen; andererseits begünstigten die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien jedoch politischen Wandel, indem sie den Protagonisten erweiterte und neuartige Handlungsmöglichkeiten einräumen.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.22 | 2.23 | 2.64 | 5.41 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Ralf Lindner: Politischer Wandel durch digitale Netzwerkkommunikation? Wiesbaden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/27783-politischer-wandel-durch-digitale-netzwerkkommunikation_32629, veröffentlicht am 03.12.2007. Buch-Nr.: 32629 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken