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Ludger Helms (Hrsg.)

Parteien und Fraktionen. Ein internationaler Vergleich

Opladen: Leske + Budrich 1999; 329 S.; kart., 68,- DM; ISBN 3-8100-2129-6
Die Beziehungen zwischen außerparlamentarischen und parlamentarischen Parteiorganisationen, also zwischen Parteien und Fraktionen haben bisher - zumal in der vergleichenden Politikwissenschaft - ein Schattendasein geführt. Schon aus diesem Grund erfüllt der Sammelband von Helms mit zwölf Länderstudien ein Forschungsdesiderat. Zu seinen Stärken zählt neben dem Gewinn von Autoren aus den behandelten Staaten die Ausdehnung des Untersuchungsbereichs über West- und Nordeuropa hinaus auf Nordamerika und Japan. Auf diese Weise wird der Blick für die Bedeutung, aber auch die Grenzen der Erklärungsvariable Regierungssystem für das Wirkungspotential von Parteien und Fraktionen geschärft. In seiner analytisch gehaltvollen Einführung, dem einzigen genuin komparativ angelegten Beitrag, unterscheidet der Verfasser hinsichtlich des Verhältnisses von Fraktion und Partei idealtypisch zwischen der britischen Fraktionsdominanz und der für Frankreich charakteristischen Parteidominanz, während in der Bundesrepublik eine durch personelle Positionsverflechtung bestimmte integrative Struktur festgehalten wird. In den Vereinigten Staaten bestehe hingegen eine funktionale Autonomie, in Japan eine Dominanz von Faktionen innerhalb der Regierungspartei. Bei erheblicher Varianz zwischen den untersuchten Staaten konstatiert Helms seit den 80er Jahren eine Stärkung der Fraktionen, deren wichtigster Grund in der "zunehmenden Entideologisierung von Parteipolitik in westlichen Ländern" (23) zu sehen sei. Inhalt: Ludger Helms: Einleitung: Parteien und Fraktionen in westlichen Demokratien (7-38); Suzanne S. Schüttemeyer: Parteien und ihre Fraktionen in der Bundesrepublik Deutschland: Veränderte Beziehungen im Zeichen professioneller Politik (39-66); Thomas Saalfeld: Fraktionsführung als Parteiführung: Partei und Fraktion in Großbritannien (67-97); Axel Murswieck: Professionell und regierungsorientiert: Parteien und Fraktionen in Frankreich (99-119); Günter Trautmann: Fraktionen in Italien: ein Instrument der Parteien (121-144); Magnus Hagevi / Detlef Jahn: Parteien und Fraktionen in Schweden: Entwicklungen zur Kartellpartei (145-169); Maria Eysell: Parteipolitik im Schatten des Minderheitsparlamentarismus: Parteien und Fraktionen in Dänemark (171-196); Johann Weggeman: Zwischen Unabhängigkeit und Verflechtung: Parteiorganisationen und Fraktionen in den Niederlanden (197-217); Anton Pelinka: Wachsende Autonomie und Differenzierung: Parteien und Fraktionen im parlamentarischen System Österreichs (219-239); Hans Hirter: Parteien und Parlamentsfraktionen in der Schweiz: Enge Zusammenarbeit trotz großer Autonomie (241-264); Hiltrud Naßmacher: Politische Führung auf Zeit: Zur Struktur und Bedeutung von Parteien und Fraktionen im politischen System Kanadas (265-286); Manfred Pohl: Zwischen Tradition und funktionaler Modernisierung: Parteiorganisationen und Fraktionen in Japan (287-306); Ludger Helms: Parteiorganisationen und parlamentarische Parteien in der amerikanischen Präsidialdemokratie (307-329).
Michael Edinger (ME)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
Rubrizierung: 2.22 | 2.331 | 2.321 | 2.61 | 2.4 | 2.5 | 2.64 | 2.68 Empfohlene Zitierweise: Michael Edinger, Rezension zu: Ludger Helms (Hrsg.): Parteien und Fraktionen. Opladen: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/6912-parteien-und-fraktionen_9261, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9261 Rezension drucken