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Thomas Piketty: Pandemie und Ungleichheit. Ein Gespräch über die Ideologie des Kapitals

29.09.2021
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Autorenprofil
Dr. Christian Heuser, PhD, M.A.
Bonn, Dietz Verlag 2021

BTW-Schwerpunkt: Aus der Krise

Die Corona-Krise offenbare, wie ungleich die Gesellschaft strukturiert sei. Daher sei es notwendig, das bestehende Wirtschaftssystem zu verändern. Hierfür schlägt Thomas Piketty eine Reihe von Maßnahmen vor, wie etwa das Ende der „Pro-Markt-Ideologie“ oder die Einführung einer progressiven Vermögenssteuer. Eine „bessere Gesellschaft“ lasse sich im Wege eines „partizipatorischen Sozialismus“ realisieren. Insgesamt vermisst Rezensent Christian Heuser einen stärkeren Bezug zur aktuellen Situation, eine stärkere Fokussierung auf das Verhältnis von Pandemie und Ungleichheit. (ste)

 

Eine Rezension von Christian Heuser

„Die [Corona-]Krise illustriert noch einmal ganz deutlich, wie ungleich die Gesellschaft strukturiert ist. Und sie zeigt noch einmal, dass es notwendig ist, das System zu ändern“ (12), so fasst der „Starökonom“ (8, Vorwort von Jochen Dahm und Thomas Hartmann) Thomas Piketty die derzeitige Corona-Krisenlage aus seiner Sicht im Gespräch mit Christian Krell zusammen. Das Gespräch liegt editiert unter dem Titel „Pandemie und Ungleichheit. Ein Gespräch über die Ideologie des Kapitals“ vor. Im Gesprächsverlauf erläutert Piketty, Professor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales, zudem eine Vielzahl von (wirtschafts-)politischen Maßnahmen, um das bestehende Wirtschaftssystem zu verändern.

Das Gespräch, das Teil der Reihe „rausgeblickt“ ist, folgt drei Fragenkomplexen. Es geht erstens um die Frage, warum Ungleichheit und Ungerechtigkeit überhaupt problematisch sind, auf die Piketty eine kurze, überaus stringente Zusammenfassung bietet. In dieser nimmt er zweitens besonders die historische Entwicklung der Verteilung von Einkommen und Vermögen in den Blick, die er ausführlich in seinen zuvor erschienenen Büchern behandelte. Das Kernproblem sei heute, dass nur noch eine „Pro-Markt-Ideologie“ (15) vorherrsche. Interessant sind seine Beispiele aus vorherigen gesellschaftlichen Krisen, wie der französischen Revolution und der zwei Weltkriege, die immer zu einer Neuausrichtung des Verhältnisses von staatlicher Marktregulation und freier Marktwirtschaft führten. In der aktuellen Corona-Krise unterstützt die staatliche Regulierung das Wirtschaftssystem und privatwirtschaftliche Akteure, um die Folgen der Krise abzufedern.

Piketty macht darüberhinausgehende Vorschläge, wie beispielsweise den der Einführung einer progressiven Vermögenssteuer auch in Deutschland. Im dritten Fragenkomplex wirft Piketty einen Blick auf die aktuelle Lage und fragt, was getan werden kann, um eine andere, „bessere“ (10) Gesellschaft zu ermöglichen. Das Verhältnis von Pandemie und Ungleichheit wird streng genommen nur in diesem Themenkomplex unmittelbar behandelt. Hierbei werden viele politische Maßnahmen angesprochen, wie beispielsweise die Vergemeinschaftung von Schulden innerhalb der EU. Dabei wird auch deutlich, was aus Sicht von Piketty unter einer „besseren“ Gesellschaft verstanden wird: die ausführlich vorgestellte Idee des „partizipatorischen Sozialismus“/der „partizipatorischen Sozialdemokratie“, die eine 50-prozentige Mitbestimmung der Beschäftigten in ihren Unternehmen fordert. Eine zusammenfassende Frage zur aktuellen Situation und deren Auswirkungen auf das Verhältnis von Pandemie und Ungleichheit vermisst man jedoch.

Eine große Stärke des Gesprächs im Buchformat liegt darin, dass eine Vielzahl von Themen angesprochen werden. Die andere Seite der Medaille ist jedoch, dass die drei Fragenkomplexe nicht immer eindeutig voneinander im Gespräch getrennt werden, was teils inhaltliche Gründe hat. Eine Strukturierung des Gesprächs anhand einzelner Thematiken (EU, Steuersystem) wäre denkbar und eine verstärkte Fokussierung auf die Corona-Pandemie sowie deren Folgen wünschenswert gewesen.

 

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