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Michael Thöndl

Oswald Spengler in Italien. Kulturexport politischer Ideen der "Konservativen Revolution"

Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2010; 221 S.; hardc., 36,- €; ISBN 978-3-86583-492-8
Dass jede Kultur zwangsläufig in das Stadium der Zivilisation übergehen und ihr am Scheitelpunkt ihrer geschichtlichen Entwicklung eine Herrschaft der Cäsaren bevorstehen würde, hatte Oswald Spengler bereits in seinem Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes” behauptet, das unter seinen Zeitgenossen gleichermaßen emphatische Zustimmung und vernichtende Kritik erfuhr. Spengler – und das unterschied ihn von vielen Denkern der sogenannten Konservativen Revolution – sollte dabei auch im Ausland eine gewisse Beachtung finden. Für Italien, das unter seinem „Cäsaren” Mussolini Vorreiter einer europäischen Entwicklung werden sollte, galt das zunächst für die Schriften „Der Mensch und die Technik” und „Jahre der Entscheidung” (90). Die Rezeption, die Spengler dort erfuhr, hat der Italienkenner Thöndl untersucht. Einem kurzen biografischen Abriss lässt der Autor eine Zusammenfassung der wichtigsten Argumente für und wider das einst von Armin Mohler in die wissenschaftliche Debatte eingeführte Konstrukt Konservative Revolution folgen, in der auch die Argumente Stefan Breuers, des schärfsten Kritikers dieses Konstrukts, nicht fehlen. Thöndl nimmt eine vermittelnde Position ein und kommt dabei zu dem Ergebnis, dass das Begriffspaar sowohl eine wissenschaftliche als auch eine politische Dimension besitzt. Dabei kann auf der wissenschaftlichen Ebene aufgrund der Heterogenität des Gegenstandsfeldes keineswegs von einem elaborierten Begriff die Rede sein, was letztlich auch die Übertragung des Konzepts auf Italien so schwierig macht. In der Darstellung der eigentlichen Spengler-Rezeption, die als Analyserahmen mehr als die Hälfte des methodisch und inhaltlich sehr gelungenen Bandes ausmacht, konzentriert sich der Autor stark auf die wechselseitigen Einflüsse zwischen Mussolini und Spengler, die einander kannten und schätzten. Thöndl vermeidet dabei jede Einseitigkeit, indem er neben Anhängern der Spengler’schen Theorien, wie Julius Evola, auch entschiedene Gegner, wie Benedetto Croce, zu Wort kommen lässt und so ein differenziertes Bild von der Wahrnehmung des deutschen Denkers in Italien zeichnen kann.
Michael Vollmer (MV)
M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, TU Chemnitz.
Rubrizierung: 5.43 | 2.61 | 2.22 | 2.25 Empfohlene Zitierweise: Michael Vollmer, Rezension zu: Michael Thöndl: Oswald Spengler in Italien. Leipzig: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33013-oswald-spengler-in-italien_39435, veröffentlicht am 19.11.2010. Buch-Nr.: 39435 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken