Skip to main content
Martin Sebaldt

Organisierter Pluralismus. Kräftefeld, Selbstverständnis und politische Arbeit deutscher Interessenverbände

OHNE 1996; 884 S.; ISBN OHNE
Erstgutachter: H. Oberreuter. Standort: Universitätsbibliothek Passau (Fernleihe möglich). I. Fragestellung: Folgende drei Leitfragen liegen der Studie zugrunde: 1. Wie ist das Kräftefeld bzw. Spektrum deutscher Interessengruppen und Verbände beschaffen, und welchen Entwicklungen unterliegt es? 2. Wie ist das Selbstverständnis dieser Gruppen im allgemeinen und ihrer Funktionäre im speziellen beschaffen? 3. Wie ist deren politische Arbeit, also jene Arbeit, welche die Findung und Implementation allgemein verbindlicher Entscheidungen zu beeinflussen sucht, organisiert, und von welchen Intentionen ist sie geleitet? II. Ergebnisse: 1. Das Spektrum der deutschen Interessengruppen hat in den letzten zwanzig Jahren eine deutliche Wandlung durchlaufen. Dominierten 1974 noch die "traditionellen" Verbände der drei Sektoren der Dienstleistungsgesellschaft das Feld, so haben sich seither auch zahllose Organisationen fest etabliert, die eindeutig Indikator für die Entwicklung Deutschlands hin zu einer Risikogesellschaft sind. Die deutsche Verbandslandschaft ist seit Beginn der siebziger Jahre wesentlich heterogener geworden, umfaßt verschiedene Teillandschaften, die nicht mehr sehr viel miteinander verbindet. 2. Das Verbändesystem selbst hat heute einen hohen Grad an Gestaltungsspielraum gegenüber dem zugrundeliegenden Kräftefeld an Interessen gewonnen. Die Daten zum Selbstverständnis belegen dies anschaulich: Verbandsorganisationen haben sich zu modernen Dienstleistungsunternehmen entwickelt, die für sich auch eine Gestaltungsautonomie gegenüber der eigenen Mitgliedschaft in Anspruch nehmen. 3. Die politische Arbeit von Interessengruppen hat heute professionellen Charakter im Sinne eines neuen Berufsfeldes erlangt. Politische Interessenvertretung bildet ein eigenes Wirkungsfeld mit klar abgrenzbaren Tätigkeitsschwerpunkten, in dem nur Berufstätige mit einem bestimmten Qualifikationsprofil und mit ganz bestimmten persönlichen und charakterlichen Eigenschaften Erfolg haben können. Derart qualifizierte Verbandsfunktionäre stoßen in der Regel auch auf große Akzeptanz auf seiten der Politik. Martin Sebaldt
()
Rubrizierung: 2.331 Empfohlene Zitierweise: , Rezension zu: Martin Sebaldt: Organisierter Pluralismus. 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/1245-organisierter-pluralismus_1356, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 1356 Rezension drucken