David Legrand

Nationalismus im Baskenland und in Quebec. Zwei Wege zur nationalen Identität

Marburg: Tectum Verlag 2012; 207 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-8288-3026-4
„Häufig entwickeln ethnische Gruppen ein nationalistisches Bestreben und zielen auf das Erreichen und Aufrechterhalten von Autonomie, Einheit und Identität ab“ (9). Von dieser Aussage ausgehend versucht sich David Legrand an der anspruchsvollen Aufgabe, zwei eigentlich grundverschiedene Nationalismen zu vergleichen. Unter gänzlich verschiedenen kulturellen und historischen Kontexten zustande gekommen, haben sich die Québécois und die Basken in ihrer Geschichte entwickelt. Während in Kanada die französisch‑sprachige Minderheit früh auf politische Mitbestimmung drängte, fehlte es der Bevölkerung im Baskenland zur Zeit der Franco‑Diktatur an demokratischer Teilhabe. Dies führte zu einer politischen Radikalisierung, aus der in der Konsequenz die Terrororganisation ETA entstand. Bis heute existiert die politische Gewalt in Nordspanien latent fort – auch wenn sich seit dem Ende der Diktatur der politische Kontext verändert hat, ist es nicht gelungen, das Gewaltpotenzial vollständig abzubauen. Dies führt der Verfasser auf die mangelnde Fähigkeit zum Konfliktmanagement der spanischen Zentralregierung zurück, die auf Gewalt stets mit Gegenwalt geantwortet habe. Auch wenn der zivile „Plan Ibarretxe“ (102) die Chance zur endgültigen Befriedung und politischen Lösung der Probleme biete, sei doch zweifelhaft, ob sich die tradierten Strukturen und vorhandenen Stereotypen so leicht abbauen lassen. Anders verhalte es sich in Kanada, wo die Parti Québécois durch demokratische Wahlen zu politischem Einfluss gekommen sei. Dies habe den vorhandenen Nationalismus insgesamt aber nur wenig vermindert. Legrand überzeugt durch einen detaillierten Vergleich der nationalistischen Bestrebungen und prognostiziert ein Fortbestehen der Bewegungen auch über die aktuellen Entwicklungen hinaus. Dem Verfasser gelingt ein tiefer Einblick in die lokalen Gegebenheiten, was auch die Quellenangaben zeigen. Auch verweist er vielfach auf Szeneinsider, was dem Buch einen hohen empirischen Wert gibt.
Vincent Wolff (VW)
Student der Politikwissenschaft, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Universität Bonn.
Rubrizierung: 2.23 | 2.22 | 2.61 | 2.64 Empfohlene Zitierweise: Vincent Wolff, Rezension zu: David Legrand: Nationalismus im Baskenland und in Quebec. Marburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36008-nationalismus-im-baskenland-und-in-quebec_44193, veröffentlicht am 01.08.2013. Buch-Nr.: 44193 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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