Alexandra Vogel

Nationale Identität in ethnisch heterogenen Staaten. Eine vergleichende Analyse von elf Staaten Sub-Sahara-Afrikas

Marburg: Tectum Verlag 2015 (Politikwissenschaften 65); 338 S.; pb., 34,95 €; ISBN 978-3-8288-3584-9
Diss. Würzburg; Begutachtung: H.‑J. Lauth, G. Müller‑Brandeck‑Bocquet. – Ein Wir‑Gefühl auf nationaler Ebene ist für die Stabilität und Funktionsfähigkeit eines Staates von großer Bedeutung. Ausgehend von dieser These untersucht Alexandra Vogel in einer vergleichenden Studie die Einflussfaktoren nationaler Identität in elf Staaten Sub‑Sahara‑Afrikas. Dabei geht sie der Frage nach, ob es „Kombinationen aus verschiedenen Bedingungen gibt, welche die Entwicklung eines nationalstaatlichen Selbstverständnisses positiv oder negativ beeinflussen“ (34). Nach kürzeren Kapiteln zur abhängigen Variable und zur Operationalisierung der Einflussfaktoren nehmen die Fallbeispiele den größten Teil des Buches in Anspruch. Mithilfe der Methode Qualitative Comparative Analysis (QCA) wird jedem potenziellen Faktor im betreffenden Staat eine Ausprägung zugeordnet. Ob eine nationale Identität existiert, entscheidet die Autorin etwa anhand der Frage, ob die Gesellschaft ein „klares Bild von sich als Nation entworfen [hat]“ (Ausprägung 1) oder ob die Verbundenheit „bei einem Großteil der Bevölkerung die eigene Ethnie [ist]“ (67, Ausprägung 0). Ein zentrales Ergebnis ihres weitgefassten Vergleiches ist, dass die nationale Identität immer dann gestärkt wird, wenn sich die Gesellschaft „in Umbruchsituationen als handlungsfähiges Kollektiv erlebt hat“ (307) und die politische Elite aktiv und langfristig an eine gemeinsame Identität appelliert. In Südafrika etwa konnte sich ein Gemeinschaftsgefühl trotz der Vielzahl ethnischer Gruppen und Sprachen „aus dem erfolgreichen Kampf gegen das Apartheidregime sowie aus der Aufarbeitung des während dieser Zeit erlittenen Unrechts [speisen]“ (225). In der Tendenz können auch die transparente und nicht‑korrupte Verteilung von Ressourcen, eine „ausgewogene mediale Berichterstattung über die Belange der verschiedenen Gruppen“ (310) und eine gemeinsame Verkehrssprache das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Religion, nationale Sportereignisse und die proportionale Ausgestaltung von Institutionen und Parteisystemen haben hingegen keinen feststellbaren Einfluss.
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Rubrizierung: 2.67 | 2.22 | 2.23 | 2.24 Empfohlene Zitierweise: Sven-Jacob Sieg, Rezension zu: Alexandra Vogel: Nationale Identität in ethnisch heterogenen Staaten. Marburg: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39652-nationale-identitaet-in-ethnisch-heterogenen-staaten_48023, veröffentlicht am 04.05.2016. Buch-Nr.: 48023 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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