Karl-Heinz Naßmacher / Hiltrud Naßmacher

Nachhaltige Wirtschaftspolitik in der parlamentarischen Demokratie. Das britische Beispiel

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 206 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-531-16376-5
Behindern oder begünstigen pluralistische Demokratien eine auf Wachstum und Stabilität zielende Wirtschaftspolitik? Die Autoren widmen sich dieser seit den 60er-Jahren aufgeworfenen Frage nach der wirtschaftspolitischen Handlungsfähigkeit demokratischer Systeme und arbeiten die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte auf. Gemeinhin wird angenommen, dass Konkordanzdemokratien aufgrund einer größeren Einflussnahme durch Interessengruppen gegenüber Mehrheitswahlsystemen unterlegen sind. Umgekehrt wurde aber auch für die Mehrheitswahl die These formuliert, dass diese sich konservierend auf das soziale Milieu auswirke und keine radikalen Politikwechsel hervorbringe. Welche der beiden Hypothesen sich bewährt, wird am konkreten Beispiel der britischen Wirtschaftspolitik untersucht. Die Autoren fragen, ob und inwieweit das britische Mehrheitswahlsystem für die weitgehend erfolglose und teils desolate Wirtschaftspolitik Großbritanniens nach 1945 verantwortlich zu machen ist. Auf der Grundlage von zwei Längsschnittuntersuchungen – erstens eine Betrachtung der britischen Wirtschaftspolitik seit 1918 und zweitens eine sektorale Untersuchung in ausgewählten Bereichen – wird den strukturellen Ursachen der problematischen Wirtschaftslage Großbritanniens nachgegangen. Danach hätten sich die politisch Verantwortlichen zum Teil an korporatistischen Entscheidungsmustern orientiert und von den institutionell gegebenen Handlungsmöglichkeiten des britischen Systems nur „in unzureichendem Maße Gebrauch gemacht“ (130). Erst die Regierung Thatcher habe – unter anderem durch den Ausschluss von Gewerkschaften und Interessenvertretungen der Wirtschaft – die Entscheidungsfähigkeit des parlamentarischen Regierungssystems wiederhergestellt und das Handlungspotenzial britischer Regierungen demonstriert. „Die Generalthese, jede Demokratie sei schlechthin unfähig, langfristig anstehende Probleme zu bearbeiten, bedarf also einer deutlichen Modifikation“, resümiert das Autorenduo und empfiehlt, „institutionelle Reformen am Leitbild der Mehrheitsdemokratie zu orientieren“ (186 f.).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.262 | 2.61 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Karl-Heinz Naßmacher / Hiltrud Naßmacher: Nachhaltige Wirtschaftspolitik in der parlamentarischen Demokratie. Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31307-nachhaltige-wirtschaftspolitik-in-der-parlamentarischen-demokratie_37255, veröffentlicht am 01.12.2009. Buch-Nr.: 37255 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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