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Wolfgang Günter Lerch

Muhammads Erben. Die unbekannte Vielfalt des Islam

Düsseldorf: Patmos Verlag 1999; 200 S.; geb., 39,80 DM; ISBN 3-491-72410-4
Der Autor, der in der Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für den Nahen Osten und Nordafrika zuständig ist, unternimmt mit diesem Band ein engagiertes Plädoyer dafür, den Islam nicht als monolithische, historisch unwandelbare Einheit zu verstehen, sondern ihn in seiner in Geschichte wie Gegenwart komplexen Realität zu begreifen. Dies richtet sich an die interessierte Öffentlichkeit, aber auch als Aufforderung an die politisch Verantwortlichen, die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Islam besser bei der Formulierung der Politik zu berücksichtigen. Lerch verfolgt sein Thema vom mittelalterlichen Beginn der islamischen Welt bis in die Gegenwart und mit ständigen Bezügen zur aktuellen Politik. Er ist nicht unkritisch gegenüber dem Islam, zeigt aber auch sein Verständnis für die Abgrenzungsbedürfnisse einer Gesellschaft, in der Religion nach wie vor eine große, wenn nicht zentrale Rolle spielt, gegenüber dem säkularisierten Westen. Scharia und Mystik, Huntington und der Einfluß der klassischen Philosophie, Türkei und Iran umreißen die Vielzahl der Themen, auf die Lerch eingeht. Das flott und gut lesbar geschriebene Buch verzichtet völlig auf Anmerkungen, bietet aber als Ersatz eine gründlich kommentierte Bibliographie.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.23 | 2.63 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Wolfgang Günter Lerch: Muhammads Erben. Düsseldorf: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/8157-muhammads-erben_10771, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10771 Rezension drucken