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Jin-Wook Shin

Modernisierung und Zivilgesellschaft in Südkorea. Zur Dynamik von Gewalt und Heiligkeit in der modernen Politik. Mit einem Geleitwort von Hans Joas

Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 2005 (Sozialwissenschaft); XXI, 404 S.; brosch., 45,90 €; ISBN 3-8244-4590-5
Diss. FU Berlin; Gutachter: H. Joas, N. Genov. – Modernisierung könne nicht als gleichartiger Entwicklungspfad von Gesellschaften betrachtet werden, bei dem die länderspezifischen Ausprägungen letztlich nur Variationen eines generellen Trends sind, so der zentrale Ansatzpunkt der Analyse. Vielmehr sei Modernisierung als kontingenter, ergebnisoffener Vorgang zu betrachten, der durch kreatives Handeln der Akteure gestaltet wird. Der Modernisierungsprozess Südkoreas sei nicht als defensiv orientierte, nachholende Modernisierung einer rückständigen Gesellschaft zu beschreiben, sondern offensiv mit der Zielsetzung einer internationalen Führungsposition erfolgt. Sie habe zunächst nur bestimmte Teilbereiche (Wirtschaft, Verwaltung etc.) erfasst, wohingegen Aspekte wie die Rechtsstaatlichkeit unterentwickelt gewesen seien. Diese Elemente dürften jedoch nicht als Relikte früherer Zeiten betrachtet werden, sondern seien konstitutiv für den Erfolg des Modernisierungsprozesses gewesen, der in Korea autoritär durch die politische Führung angeordnet und durchgesetzt worden sei. Damit sei untrennbar die Erfahrung von Gewalt verbunden gewesen, die die gesamte Gesellschaft durchdrungen und den Charakter von Normalität gehabt habe. Diese Gewalterfahrung habe eine spezifische Form von „Heiligkeit“ gewisser Werte, Akteure und Institutionen (z. B. Frieden, Menschenrechte etc.) geschaffen, wobei der Begriff heilig hier weniger auf die religiösen Aspekte bezogen ist, sondern den Status eines absolut Gültigen und Unantastbaren bezeichnet. Für die historische Ausformung des koreanischen Modernisierungsprozesses sei die Interaktionsdynamik von Gewalt und Heiligkeit konstitutiv. Zivilgesellschaft habe sich nicht als Folge der Demokratisierung nach dem Ende der Gewaltherrschaft entwickelt, sondern sei vielmehr als unmittelbare Reaktion auf diese Gewalt entstanden.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.68 | 2.2 | 2.23 | 2.25 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Jin-Wook Shin: Modernisierung und Zivilgesellschaft in Südkorea. Wiesbaden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/24535-modernisierung-und-zivilgesellschaft-in-suedkorea_28336, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28336 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken