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Ulrich Sarcinelli / Heribert Schatz (Hrsg.)

Mediendemokratie im Medienland. Inszenierungen und Themensetzungsstrategien im Spannungsfeld von Medien und Parteieliten am Beispiel der nordrhein-westfälischen Landtagswahl 2000

Opladen: Leske + Budrich 2002 (Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen 41); 558 S.; kart., 45,- €; ISBN 3-8100-3113-5
Der Sammelband gibt Kurzfassungen von Teilstudien eines Forschungsprojektes wieder, das die Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegeben hat und das von zwei Forschungsgruppen an den Universitäten Duisburg und Koblenz-Landau durchgeführt wurde. Im Zentrum des Interesses stand eine oftmals unterstellte, manchmal beklagte Tendenz zur "Amerikanisierung" deutscher Wahlkämpfe nämlich, "ob sich die Demokratie in Deutschland von einer Parteien- zu einer Mediendemokratie entwickelt und Themen nicht mehr an der Parteibasis, sondern im Zusammenwirken von Medien und Parteieliten entstehen" (5). Besonderes Augenmerk liegt damit auf der Frage nach dem Zustandekommen und dem Verlauf von Themenkarrieren unter Berücksichtigung der Agenda-Setting-Forschung. Zu diesem Zweck wurden neben umfangreicher Auswertung der wissenschaftlichen Literatur zu diesem Thema eigene, repräsentative Befragungen der Bevölkerung sowie von Politikern und Journalisten durchgeführt. Analysiert wurden aber auch Personalisierungsstrategien oder aber Fernsehauftritte - von "Berlin Mitte" bis zu "Big Brother". Methodik und Untersuchungsdesign der Studien werden nicht zuletzt im umfangreichen Anhang umfassend dokumentiert. Im Text finden sich auch detaillierte Informationen zu Ereignissen und Strukturen des Wahlkampfes - wie etwa Organigramme der Wahlkampf-Managementstrukturen der einzelnen Parteien oder Plakatmotive. Im Ergebnis bleibt die These von der Amerikanisierung ambivalent: Sarcinelli und Schatz mahnen in ihrem Fazit zur Vorsicht bei der Übertragung des Schlagwortes. Festzustellen sei eine höhere Professionalisierung und eine Mischung von alten, bewährten Kommunikationsstrategien mit neuen Elementen und Medien. Offenkundig seien auch Anzeichen einer "medieninduzierte[n] Tendenz zur Personalisierung der Politikvermittlung" (435). Im Ganzen seien dies aber allenfalls erste Schritte hin zur Mediendemokratie: "Diese beziehen sich ganz überwiegend auf die Angebotsseite des politischen Kommunikationsprozesses, insbesondere im Wechselverhältnis von Parteieliten und Medien, während die Rezeptionsseite, die Wahlbevölkerung also, mehrheitlich noch von vielen 'eigensinnigen', eher traditionellen Verhaltensmustern geprägt ist." (421 f.) Deshalb schlagen sie vor, für Nordrhein-Westfalen von einer "mediatisierte[n] Parteiendemokratie" (442) zu reden. Inhalt: Ulrich Sarcinelli / Heribert Schatz: Von der Parteien- zur Mediendemokratie. Eine These auf dem Prüfstand. (9-32); Volker Greger / Jens Tenscher: Untersuchungsdesign und methodisches Vorgehen (33-51); Alexander Geisler / Jens Tenscher: "Amerikanisierung" der Wahlkampagne(n)? Zur Modernität von Kommunikationsstrukturen und -strategien im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf 2000 (53-117); Jochen Hoffmann: "Kinder - Inder - Clementinen". Ein Blick aus der Akteursperspektive auf Themenrahmungen und Image-Building im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf 2000 (119-154); Wolfgang Hüning / Kim Otto: Agenda-Setting im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf 2000? Massenmediale Themenstruktur und Wählerwahrnehmung (155-199); Volker Greger: Politische Kompetenz oder persönliche Sympathie? Kandidaten-Images und Parteienbewertungen im NRW-Landtagswahlkampf (201-251); Marianne Schatz-Bergfeld: Agenda-Setting: Mediennutzer sind kein unbeschriebenes Blatt (253-288); Wolfgang Hüning / Jens Tenscher: Medienwirkungen von Parteistrategien. Agenda-Building-Prozesse im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf 2000 (289-317); Jörg-Uwe Nieland / Jens Tenscher: Talkshowisierung des Wahlkampfes? Eine Analyse von Politikerauftritten im Fernsehen (319-394); Jörg-Uwe Nieland: Farbenlehre NRW: Eine Fallstudie zur Debatte über Regierungskonstellationen (395-428); Ulrich Sarcinelli / Heribert Schatz: Mediendemokratie im Medienland Nordrhein-Westfalen? Eine Bilanz aus Akteurssicht sowie eine zusammenfassende Bewertung der Untersuchungsergebnisse (429-442).
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.33 | 2.325 | 2.331 | 2.333 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Ulrich Sarcinelli / Heribert Schatz (Hrsg.): Mediendemokratie im Medienland. Opladen: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/15081-mediendemokratie-im-medienland_17126, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17126 Rezension drucken