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Sabine Dabringhaus

Mao Zedong

München: C. H. Beck 2008 (C. H. Beck Wissen in der Beck'schen Reihe 2439); 136 S.; 7,90 €; ISBN 978-3-406-56239-6
„China hat sich noch längst nicht von Mao befreit.“ (118) Seine Position in der chinesischen Geschichte rührt sicherlich nicht zu einem geringen Teil daher, dass er einen wesentlichen Anteil am kommunistischen Sieg und der Wiedervereinigung des zerrissenen Landes hatte. Mehr als die Hälfte des Buchs nimmt deshalb die Darstellung von Maos Rolle in den innerchinesischen Kämpfen bis zur Staatsgründung der Volksrepublik 1949 ein. Nach außen vertretene kommunistische Ideale hinderten Mao jedoch nicht daran, mit der Zeit immer autokratischere Züge anzunehmen. Seine Herrschaft war letztlich auf persönlichen Beziehungen begründet, wobei er stets versuchte, sein Umfeld bis ins Kleinste zu kontrollieren. Gleichzeitig attestiert ihm Dabringhaus, er habe sich oft von „Instinkten und Intuitionen“ (116) leiten lassen. Mao war ein großer Manipulator. Menschenleben galten ihm mit zunehmendem Lebensalter immer weniger. Und wenn er es für nötig erachtete, griff Mao wiederholt zum Instrument der Massenmobilisierung. Selbst der Personenkult um ihm diente letztlich diesem Zweck. „Sein persönliches Verhältnis zum Volk stellte die einzige soziale Dauerbeziehung im Leben des Staatsmannes Mao Zedong dar.“ (114) Allerdings litt besonders das Volk unter irrwitzigen Experimenten wie dem Großen Sprung nach vorn oder der Kulturrevolution. Letztere erklärt Dabringhaus als eine von Mao bewusst inszenierte „Gesinnungsrevolution“, in der die Roten Garden „eine emotionale Vergemeinschaftung in der Gefolgschaft Mao Zedongs“ erlebten (93). „Die Widersprüchlichkeit in seiner Biographie drückt sich gerade in dem Wechsel von rücksichtsloser Gewalt und euphorischem Charisma aus.“ (8) Dabringhaus plädiert zwar dafür, Mao in all seinen Facetten zu sehen, es bleibt aber die Tatsache, dass an seinen Händen das Blut von Millionen Chinesen klebt. Unbestritten bleibt allerdings auch die Tatsache, dass Mao das heutige China geprägt hat. Dabringhaus gelingt es, beide Aspekte in nüchternen Ton, aber flüssigem Stil herauszuarbeiten. Das Buch eignet sich bestens als Einstiegslektüre.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.1 | 2.68 | 2.25 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Sabine Dabringhaus: Mao Zedong München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29698-mao-zedong_35171, veröffentlicht am 01.12.2009. Buch-Nr.: 35171 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken