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Karin Schwing

Managementstrukturen in internationalen Friedensmissionen. Die European Union Police Mission in Bosnien und Herzegowina

Marburg: Tectum Verlag 2010; XVIII, 317 S.; pb., 29,90 €; ISBN 978-3-8288-2310-5
Politikwiss. Diss. Passau; Gutachter: W. Gellner. – Im Januar 2003 wurde in Sarajewo die Flagge der Vereinten Nationen eingeholt und die der EU gehisst. Diese Szene wertet die Autorin als Symbol für die Entwicklung der Europäischen Union zu einem ernst zu nehmenden Akteur im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik beziehungsweise des Krisenmanagements. Die Polizeimission European Union Police Mission (EUPM) war die erste Krisenmanagement-Unternehmung der Union, die sich beim Staatsaufbau in Bosnien und Herzegowina engagiert. Inzwischen hat sich die Zahl der EU-Missionen erheblich vergrößert. Doch wie lässt sich eine solche Mission managen? Schwing untersucht die Planung und Umsetzung dieser Mission der EU und bettet sie in den Werterahmen der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik ein. Außerdem stellt sie die Interaktion der Unternehmung EUPM mit Akteuren auf nationaler wie internationaler Ebene dar. Dabei analysiert sie insbesondere das normative, strategische und operative Management der EUPM und entwickelt zu diesem Zweck ein eigenes Konzept, das „Passau/Andrássy-Modell“ (55). Dieses problem- und anwendungsorientierte Konzept leitet sie aus der Betriebswirtschaft ab, ergänzt um die soziologische Sichtweise von Unternehmungen als Organisationssysteme. Die EUPM dient ihr als Fallstudie, die Informationen hierfür hat die Autorin während eines sechsmonatigen Aufenthalts in der EUPM-Zentrale in Sarajewo gesammelt. Sie unterscheidet zwischen drei Handlungsebenen des EUPM-Managements: dem normativen und dem strategischen Management, das in Brüssel stattfindet, sowie dem operativen Management in der Mission in Bosnien und Herzegowina. Ein Ergebnis ihrer Analyse der EUPM mithilfe des Passau/Andrássy-Modells ist, dass die verschiedenen Managementebenen nicht optimal aufeinander abgestimmt sind, was eine gestörte Interaktion zur Folge hat und Synergien vermissen lässt. Zur Lösung der identifizierten Defizite empfiehlt sie nun ein Managementinstrument, das ebenfalls aus der betriebswirtschaftlichen Praxis stammt und an die Bedingungen für Unternehmungen des zivilen Managements angepasst ist. Um Kompetenzprobleme zwischen den verschiedenen Ebenen und den EU-Institutionen zu vermeiden, rät sie abschließend, die Aufgaben und Funktionen eines Hohen Vertreters der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik mit denen des für Außenbeziehungen zuständigen Kommissars zu verschmelzen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.6 | 4.41 | 2.61 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Karin Schwing: Managementstrukturen in internationalen Friedensmissionen. Marburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32964-managementstrukturen-in-internationalen-friedensmissionen_39379, veröffentlicht am 01.03.2011. Buch-Nr.: 39379 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken