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Mancur Olson

Macht und Wohlstand. Kommunistischen und kapitalistischen Diktaturen entwachsen. Übersetzt von Gerd Fleischmann

Tübingen: Mohr Siebeck 2002 (Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften 123); XIV, 203 S.; Ln., 59,- €; ISBN 3-16-147536-4
Im Anschluss an seine 1985 erstmals auf Deutsch erschienene Studie "Aufstieg und Niedergang von Nationen: Ökonomisches Wachstum, Stagflation und soziale Starrheiten" (Tübingen) fragt Olson, welche Politik und welche Institutionen dafür verantwortlich sind, eine "Marktwirtschaft der Straßenhändler und Basare in eine Marktwirtschaft zu verwandeln, die Reichtümer in Hülle und Fülle schafft" (VII)? Obschon es in den meisten Ländern eine Vielzahl von Märkten gibt, ist es den postkommunistischen Gesellschaften nicht gelungen, eine auch nur annähernd vergleichbare ökonomische Leistungsfähigkeit zu entwickeln, wie etwa Deutschland und Japan nach der Niederlage des Faschismus. Die Antwort Olsons liegt ganz auf der Linie seines Theoriemodells, das - auf Basis ökonomischer Rationalitätsprämissen - die Logik kollektiven Handelns in den Mittelpunkt rückt. Um die Gefahr der Ausbeutung der Gesellschaftsmehrheit durch individuelle oder "stationäre Banditen" (20 ff.) - die die Vorstufe autokratischer Regime sowjetischen Typs bilden - zu reduzieren, müssen zwei institutionelle Vorkehrungen gegeben sein. Einerseits bedarf es der staatlichen Garantie "wohl definierter individueller Rechte" (186), andererseits darf es zu keinem "Raub durch Lobbytätigkeit" im großen Umfang kommen. Beide Bedingungen ermöglichen, dass sich in diesen Gesellschaften nicht nur "spontane", sondern auch jene für das Wirtschaftswachstum wesentlichen Märkte entwickeln, die - wie Kredit- oder Terminmärkte - auf staatliche Garantie angewiesen sind. Dieses Buch, das ursprünglich - als Referenz an Schumpeter - den Titel "Kapitalismus, Sozialismus und Diktatur" tragen sollte, konnte der 1998 verstorbene Ökonom nicht abschließen (12); allerdings ist aus der vorliegenden Edition nicht ersichtlich, welche Teile der Autor noch weiter hätte ausbauen wollen. Inhaltsübersicht: Vorwort von Mancur Olson. Einleitung von Charles Caldwell; 1. Die Logik der Macht; 2. Zeit, Gewinne und individuelle Rechte; 3. Coase'sche Verhandlungen, Transaktionskosten und Anarchie; 4. Rationale Individuen und irrationale Gesellschaften; 5. Herrschaft und wirtschaftliches Wachstum; 6. Die Quellen der Rechtsdurchsetzung und der Korruption; 7. Die Theorie der Autokratie sowjetischen Typs; 8. Die Evolution des Kommunismus und sein Erbe; 9. Folgerungen für den Übergang; 10. Passende Märkte für den Wohlstand.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.45 | 2.62 | 2.25 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Mancur Olson: Macht und Wohlstand. Tübingen: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/17247-macht-und-wohlstand_19843, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19843 Rezension drucken