Pascal Fischer

Literarische Entwürfe des Konservatismus in England 1790 bis 1805

München: Wilhelm Fink Verlag 2010; 328 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-7705-5119-4
Habilitationsschrift Würzburg; Gutachter: S. Kohl, J. Achilles, R. Borgards. – Für die Ideengeschichte kann die Bedeutung der Französischen Revolution des Jahres 1789 kaum hoch genug eingeschätzt werden, denn die Ereignisse in Frankreich markierten durch das Bündnis von Geist und Tat nicht nur den Siegeszug liberaler, aufklärerischer Ideen, sondern in der Herrschaft der Jakobiner bald auch die Entkopplung derer von jeglicher ethischer Gebundenheit. Sie wurde damit zugleich zur Negativschablone für eine so mächtige wie heterogene Gegenbewegung, die heute unter dem Sammelbegriff „Konservatismus“ zusammengefasst wird und die nicht nur eine Vielzahl politischer Streitschriften, sondern auch ein schöngeistiges Werk hinterlassen hat, das durch „ausgedehnte Metaphern [...] seinem weniger gebildeten Leser komplexe politische Sachverhalte“ veranschaulichte, „ohne ihn an einen politischen Fachdiskurs heranzuführen“ (63). Neben Edmund Burkes „Reflections on the Revolution in France“ unterzieht Fischer so vor allem die Belletristik – namentlich die antijakobinischen Romane – der Zeit einer umfassenden Analyse. Mit der Eingangsthese, dass der „Konservatismus [...] sich griffigen Definitionen“ (9) entziehe, fällt der Autor dann nicht nur argumentativ mit der Tür ins Haus, sondern er entzieht sich dadurch zugleich einer Kritik an der Vollständigkeit der von ihm in sieben Kapiteln eingeteilten Strukturelemente dieser geistigen Strömung, als da wären: Staat und Herrschaft, Recht und innere Ordnung, Patriotismus und nationale Interessen, Gesellschaft und Ökonomie, Ehe, Familie und Geschlechterrollen, Erziehung und Bildung sowie Religion und Ethik. Ohne die Bedeutung der genuin politischen Schriften zu schmälern, gelingt es dem Autor in einer sehr textnahen und voraussetzungsreichen Argumentation, dem Leser nicht nur die Bedeutung der englischen Belletristik für die Verbreitung konservativer Ideen vor Augen zu führen, sondern er vermag zugleich an gängigen Stereotypen wie der dem Konservatismus häufig unterstellten Fortschrittsfeindlichkeit zu rütteln. Das macht das Werk zu einem wertvollen Beitrag für das Verständnis des frühen Konservatismus.
Michael Vollmer (MV)
M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, TU Chemnitz.
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Michael Vollmer, Rezension zu: Pascal Fischer: Literarische Entwürfe des Konservatismus in England 1790 bis 1805 München: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33686-literarische-entwuerfe-des-konservatismus-in-england-1790-bis-1805_40345, veröffentlicht am 13.04.2011. Buch-Nr.: 40345 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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