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Detlef Sack / Katharina van Elten / Sebastian Fuchs

Legitimität und Self-Governance. Organisationen, Narrative und Mechanismen bei Wirtschaftskammern

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Modernes Regieren 11); 301 S.; brosch., 54,- €; ISBN 978-3-8487-1516-9
Die Unterstützung und Akzeptanz von Formen der funktionalen Selbstverwaltung unterliegen einem stetigen Wandel und müssen daher empirisch ermittelt werden. Von dieser Prämisse ausgehend und die politikwissenschaftliche Governance‑Debatte aufgreifend, widmen sich Detlef Sack, Katharina van Elten und Sebastian Fuchs den Handwerkskammern als einer historisch etablierten Form der „Self‑Governance“. Im Unterschied zu den in der Forschung zumeist untersuchten neueren Formen der Self‑Governance wie Agenturen oder Netzwerke könne an deren Geschichte „studiert werden, welche Faktoren für Wandel und Beharrung relevant sind“ (14). Die Handwerkskammern stehen, wie das Autorenteam einleitend ausführlich darlegt, seit Mitte der 1990er‑Jahre unter einem steigenden Legitimitätsdruck, der unter anderem auf interne Schwächen sowie auf gesellschaftliche Entwicklungen (wie Individualisierung und Migration) und allgemeine Deregulierungsprozesse – insbesondere die Handwerksnovelle von 2004 – zurückgeht. Die damit verbundenen Veränderungen äußern sich in Rekrutierungsproblemen, einer zunehmenden Heterogenität sowie in einer „sozial‑strukturellen und politisch‑kulturellen Ausdifferenzierung des einstmals konservativen Mittelstands“ (71). Vor diesem Hintergrund erfolgt eine empirische Analyse der Motive und Rechtfertigungsgründe der an der funktionalen Selbstverwaltung des Handwerks Beteiligten mit dem Ziel, eine Typologie von Erzählungen und „Legitimitätsüberzeugungen für Mitglieder von Institutionen mit Pflichtmitgliedschaft“ (34) zu ermitteln. Anhand einer quantitativen Umfrage bei allen 53 Handwerkskammern sowie qualitativen Interviews in sechs ausgewählten Kammern konnten verschiedene Narrative sowohl der Legitimation (zum Beispiel politische Gemeinschaft, gesellschaftliche Anerkennung) als auch der Delegitimation (zum Beispiel skandalöse Ereignisse, Verlust‑ und Erosionsprozesse) identifiziert werden. Zudem werden die damit verbundenen Handlungsstrategien und Konfliktlinien (interne Kritiker versus Unterstützer, Kammern versus Innungen, Haupt‑ versus Ehrenamt, Arbeitgeber‑ gegen Arbeitnehmerseite) herausgearbeitet. Als prägend für die Mechanismen der Self‑Governance hebt das Forscherteam den Aspekt der Pflichtmitgliedschaft hervor. Damit werde die „Ressourcenallokation durch staatliche Autorität garantiert“ und den Mitgliedern sei ein Austritt aus der Organisation verwehrt. Zudem werde „die Zusammensetzung der Mitgliedschaft […] maßgeblich von außen und politisch bestimmt“ (264).
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Rubrizierung: 2.3312.32 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Detlef Sack / Katharina van Elten / Sebastian Fuchs: Legitimität und Self-Governance. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38160-legitimitaet-und-self-governance_46339, veröffentlicht am 12.03.2015. Buch-Nr.: 46339 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken