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Ernst Piper

Kurze Geschichte des Nationalsozialismus. Von 1919 bis heute

Hamburg: Hoffmann und Campe 2007; 352 S.; geb., 17,95 €; ISBN 978-3-455-50024-0
Der Historiker Piper legt eine eher populärwissenschaftliche Überblicksdarstellung des Nationalsozialismus vor. Zwar hat er auf Fußnoten verzichtet, dennoch ist aus seinem Buch eine breite Basis der verwendeten Literatur herauszulesen. Der aktuelle Forschungsstand wird flüssig und auch für den Laien verständlich wiedergegeben, insgesamt eignet sich der Band hervorragend als Einführung in das Thema. Piper erklärt den Nationalsozialismus nicht als plötzlich auftretenden Betriebsunfall der deutschen Geschichte, sondern mit Vorgeschichte und Folgen. Gezeigt wird der keinesfalls zwangsläufige Aufstieg Hitlers, dessen Absichten bereits 1919 feststanden. Piper belegt dies mit einem Zitat aus dem allerersten politischen Dokument des späteren Diktators, der darin die Auffassung vertrat, „letztes Ziel aber muss unverrückbar die Entfernung der Juden überhaupt sein“ (17). Dieser eliminatorische Antisemitismus sei von Anfang bis Ende Leitlinie von Hitlers Handeln gewesen, schreibt Piper. Zur Erklärung, warum Hitler überhaupt an die Macht gelangen konnte, obwohl die Mehrheit der Deutschen keinesfalls die Nationalsozialisten gewählt hatte, verweist er auf das Versagen der alten konservativen Eliten. Sie meinten zwar Hitler in die Regierung gehebelt zu haben, um ihn für sich zu instrumentalisieren. Tatsächlich aber versuchten sie genau dies nicht einmal. Hitler konnte deshalb die Erfolge, die sich als Ergebnisse der demokratischen Vorgängerregierungen und angesichts des Wirtschaftsaufschwungs einstellten, ungehindert für sich verbuchen. Piper greift damit die plausible These auf, dass die Weimarer Republik als demokratisches System bestanden hätte, wenn Hitler nicht – ohne politische Not – Kanzler geworden wäre. Außerdem verweist er auf die Mitschuld der Bevölkerung am Holocaust – die Entfernung der Juden aus der Gesellschaft erst mittels des Judensterns und dann durch die Deportationen „wurden im Allgemeinen zustimmend zur Kenntnis genommen“ (227). Diese Verantwortung(slosigkeit) zog es nach sich, dass sich die Bewältigung der Vergangenheit über Jahrzehnte erst entwickelte.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312 | 2.311 | 2.35 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Ernst Piper: Kurze Geschichte des Nationalsozialismus. Hamburg: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/14786-kurze-geschichte-des-nationalsozialismus_33749, veröffentlicht am 09.04.2008. Buch-Nr.: 33749 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken