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David Garland

Kultur der Kontrolle. Verbrechensbekämpfung und soziale Ordnung in der Gegenwart. Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2008 (Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie 12); 394 S.; kart., 34,90 €; ISBN 978-3-593-38585-3
Nach „Punishment and Welfare“ (1985) und „Punishment and Modern Society“ (1990) bildet „Culture of Control“ (2001) den Schlusspunkt der Trilogie, in der sich der amerikanische Kriminologe Garland mit der Entwicklung der Kriminalpolitik seit den 70er-Jahren befasst. Anders als in den früheren Arbeiten geht es ihm hier in erster Linie um eine Zeitdiagnose jener strukturellen Veränderungen im Feld der Verbrechensbekämpfung und Strafjustiz, die den Übergang in die neoliberale Spätmoderne kennzeichnen. Für diese Zwecke untersucht er die heutigen Praktiken in den USA und in Großbritannien und stellt sie dem Verständnis von Strafjustiz gegenüber, das noch bis in die 70er-Jahre vorherrschte. In beiden Ländern hat sich seitdem eine Kultur der Kontrolle herausgebildet, zu deren wesentlichen Merkmalen der Niedergang des rehabilitativen Ideals und die Abkehr von Resozialisierungsprogrammen, die Wiederkehr einer explizit auf Vergeltung setzenden Strafpraxis, zunehmende Kommerzialisierung der Verbrechenskontrolle und eine populistischen Impulsen folgende Strafrechtspolitik zählen. In diesen Verschiebungen spiegeln sich gewiss auch Reaktionen auf wahrgenommene Grenzen staatlicher Verbrechensbekämpfung, aber für Garland – das ist seine zentrale These – beruhen sie auf Veränderungen kultureller Grundannahmen, in denen sich der Individualismus des Marktes durchsetzt. Die Mentalität der Vergeltung und Abschreckung löst kriminelles Verhalten aus sozialen Kontexten und unterstellt prinzipiell individuelle Verantwortung und rationale Entscheidungsfähigkeit. Damit finden im Feld der Kriminalpolitik komplementäre Prozesse statt wie in dem der Sozialpolitik: Abbau von sozialen Reformprogrammen und Erosion von Solidaritätsnormen ermöglichen eine Regulierung, die Kontrolle und Verurteilung auf Außenseiter und Unterschichten konzentriert, ohne das Verhalten von Märkten, Unternehmen und wohlhabenden Schichten zu tangieren.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.263 | 5.42 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: David Garland: Kultur der Kontrolle. Frankfurt a. M./New York: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29278-kultur-der-kontrolle_34626, veröffentlicht am 03.12.2008. Buch-Nr.: 34626 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken