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Dieter Klein

Krisenkapitalismus. Wohin es geht, wenn es so weitergeht

Berlin: Karl Dietz Verlag 2008 (einundzwanzig/Rosa-Luxemburg-Stiftung 1); 273 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-320-02165-8
An der marxistischen Theorie orientierte Zukunftsvorstellungen, vom Autor als alternativ bezeichnet, stehen im Mittelpunkt dieser neuen Reihe. Der erste Band basiert auf Diskussionen in der Zukunftskommission der Rosa-Luxemburg-Stiftung; Klein hat die Beiträge anderer Autoren in den Text eingearbeitet. Geboten wird eine durchaus differenzierte Problemanalyse des gegenwärtigen Kapitalismus und der damit verbundenen neoliberalen Globalisierung, es geht unter anderem um Gentechnik, die Wissensgesellschaft, die Europäische Union und die Finanzmärkte. Die Lösungsansätze für Probleme wie soziale Ungleichheit oder auch die andauernde Diskriminierung der Frauen entstammen allerdings der kommunistischen Mottenkiste. Immer noch schimmert der Aberglaube daran durch, die proletarischen Massen würden irgendwann ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Diesem „Unten“ wird immer noch das „Oben“ gegenübergestellt, nun in Gestalt von transnationalen Konzernimperien, Banken, Investmentfonds und Versicherungsgesellschaften, die bei der Globalisierung Regie führten. Als ein zentrales Projekt der Linken benennt Klein folgerichtig die „Zurückdrängung des Finanzmarkt-Kapitalismus“ (112). Dies heißt aber für den Autor nicht, auf der Basis der historischen Erfahrungen neue Wege zu finden: Es sollten vielmehr nicht nur alle Formen des Eigentums sozialen und ökologischen Maßstäben untergeordnet werden, sondern (wieder) das Kapitaleigentum in gesellschaftliches Eigentum umgewandelt werden. Weiter geht es im Text mit uralten Schlagworten wie „Frieden und internationale Solidarität“ (166), die erst durch eine linke (sprich: kommunistische) Politik möglich würden, außerdem werden der EU „Militarisierungstendenzen“ (161) vorgeworfen. Klein erweckt den Eindruck, als ob alle Kriege und jeglicher Terrorismus nur einer imperialen Politik geschuldet seien und meint schließlich: „Demokratischer Sozialismus kann als das Ziel einer gerechten Gesellschaft betrachtet werden“ (246) – schade, wenn man aus vierzig Jahren DDR so gar nichts gelernt hat.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 4.43 | 4.41 | 2.27 | 2.3 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Dieter Klein: Krisenkapitalismus. Wohin es geht, wenn es so weitergeht Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30517-krisenkapitalismus-wohin-es-geht-wenn-es-so-weitergeht_36227, veröffentlicht am 10.06.2009. Buch-Nr.: 36227 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken