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Karin Fischer / Gerald Hödl / Wiebke Sievers (Hrsg.)

Klassiker der Entwicklungstheorie. Von Modernisierung bis Post-Development

Wien: Mandelbaum Verlag 2008 (Gesellschaft, Entwicklung, Politik 11); 299 S.; 14,- €; ISBN 978-3-85476-275-1
Development Studies sind im englischsprachigen Raum eine etablierte Wissenschaftsrichtung. Hierzulande ist die Entwicklungsforschung jedoch inzwischen weitgehend marginalisiert; es gibt noch nicht einmal eine Sammlung klassischer Texte zur Entwicklungstheorie auf Deutsch. Der Band versteht sich als erster Schritt, diese Lücke zu schließen. Er enthält 15 Texte aus den letzten siebzig Jahren, die von einflussreichen Theoretikern stammen und zum Teil hiermit erstmals auf Deutsch zugänglich sind. Bei der Auswahl waren „mehrfache[...] Grenzziehungen“ (16) erforderlich, schreiben die Herausgeber einleitend und erläutern die Zusammenstellung der ausgewählten Texte. Neben der Beschränkung auf die moderne Entwicklungstheorie wurden Texte ausgespart, die einen „genuin politischen Charakter“ besitzen, womit der Schwerpunkt auf Entwicklungstheorie im engeren Sinne gelegt wird. Wesentlich für die Auswahl war, „dass die Texte möglichst kurz, in sich geschlossen und pointiert sein sollten“ (17). Auch die Gruppierung der Texte wird ausführlich begründet. Sie folgt der Annahme, dass „der Entwicklungsdiskurs bis heute aus Variationen einiger weniger theoretischer Ansätze besteht“ (18). Neben der gängigen Unterteilung in Modernisierungs- (Rosenstein-Rodan, Rostow, Inkeles) und Dependenztheorie (Prebisch, Frank, Wallerstein) sowie neoliberalistischen Ansätzen (Bauer, Lal) lassen sich so zum Teil „Theorien, die aus sehr unterschiedlichen Kontexten hervorgegangen sind, [...] bei uns im selben Kapitel wiederfinden“ (20). So werden verschiedene kritische Texte, die sich einer Klassifizierung entziehen (Myrdal, Hirschman, Boserup) sowie alternative Ansätze (Illich, Bennholdt-Thomsen/Mies, Escobar) jeweils in einem Kapitel zusammengefasst. Dadurch lassen sich die „intellektuellen Grundlagen auch des heutigen Entwicklungsdiskurses“ (22) gut erschließen. Insgesamt ermöglicht der Band einen unverstellten Blick auf ein breites Spektrum des Entwicklungsdenkens.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.44 | 5.45 | 2.2 | 2.27 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Karin Fischer / Gerald Hödl / Wiebke Sievers (Hrsg.): Klassiker der Entwicklungstheorie. Wien: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30204-klassiker-der-entwicklungstheorie_35819, veröffentlicht am 28.05.2009. Buch-Nr.: 35819 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken