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Helmut Willems

Jugendunruhen und Protestbewegungen. Eine Studie zur Dynamik innergesellschaftlicher Konflikte in vier europäischen Ländern

Opladen: Leske + Budrich 1997; 504 S.; kart., 48,- DM; ISBN 3-8100-1837-6
Untersucht wird der Verlauf von innergesellschaftlichen Konflikten, die außerhalb von politischen Institutionen ausgetragen werden. Im Zentrum steht die Frage, wie der Verlauf, die Entwicklungsprozesse und vor allem die Eskalation von politischen Konflikten erklärt werden können. Es handelt sich dabei um politische Konflikte, die sich in Form von jugendlichen Unruhen oder sozialen Protestbewegungen äußern. Die Untersuchung beruht auf zwanzig Fallstudien aus vier europäischen Ländern. Im ersten Teil erörtert Willems theoretische Ansätze zur Erklärung von politischen Konflikten auf ihre Aussagen und ihren Beitrag zur Erklärung von Entwicklungs- und Eskalationsprozessen. Im zweiten - empirischen - Teil werden die Konflikte ausführlich beschrieben. Der dritte Teil folgt einer vergleichenden Darstellung, in der die untersuchten Konflikte hinsichtlich der Konfliktentstehung, des Organisationsgrads, der Trägergruppen, der Konfliktdauer, des Konflikt- und Gewaltinteresses, der Konfliktgegner und des -verlaufs, des Beitrags staatlichen Handelns zur Entstehung des Konflikts und zur Eskalation des Austrags, den Lernprozessen sowie der gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen systematisiert werden. Danach folgt eine Betrachtung der Ergebnisse der Verlaufsstudien in ihren Konsequenzen für die Theorie. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, daß sich "die gegenseitige Abschottung von struktur-analytischen, interaktionistischen und individualistischen Theorien des politischen Protestes überwinden läßt". "Damit werden nicht nur Verlaufsprozesse begreifbar; es wird dann auch deutlich, daß Konflikte nicht nur das Resultat von sozialem Wandel sind, sondern sich in ihnen auch neue Strukturen und Lebensformen ausbilden können, sie also sozialen Wandel produzieren" (484). In der Technik der vergleichenden historischen Rekonstruktion von Konflikten sieht Willems eine Möglichkeit, theoretische Annahmen überprüfen und die Erklärungskraft von sozialen Theorien in bezug auf die Konfliktdynamik weiterentwickeln zu können.
Martina Böhner (Bö)
Dr.
Rubrizierung: 2.22 | 2.37 | 2.61 | 2.2 Empfohlene Zitierweise: Martina Böhner, Rezension zu: Helmut Willems: Jugendunruhen und Protestbewegungen. Opladen: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/3277-jugendunruhen-und-protestbewegungen_4293, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 4293 Rezension drucken