Skip to main content
Projektgruppe Nationalismuskritik (Hrsg.)

Irrsinn der Normalität. Aspekte der Reartikulation des deutschen Nationalismus

Münster: Westfälisches Dampfboot 2009; 259 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-89691-779-9
Der Band resultiert aus der von der Projektgruppe Nationalismuskritik im Mai 2008 in Frankfurt veranstalteten Tagung „Deutsche Normalitätseuphorie – Zur Kritik des Nationalismus in Sport und Popkultur“. Die Autoren machen eine Renaissance des Nationalismus in Deutschland aus, die sich in Musik und Sport zeige, aber auch darin, dass das Prädikat „deutsch“ zum Leitbegriff erfolgreicher Werbestrategien avancieren konnte. Hegemoniekritisch nähern sie sich einer neuen Normalität des Nationalen und damit einer schleichenden Akzeptanz hegemonialer Projekte. Ausführlich herausgegriffen sei ein sehr kritischer Beitrag von Marcus Hawel. Er kritisiert in eben diesem Sinne einen „außenpolitischen Normalitätsdiskurs als Nationalismus verschleierndes Vehikel“ (105). Die Außenpolitik, so der Autor, gehöre zu jenen Politikbereichen, die kaum einer demokratischen Kontrolle unterliegen. Zudem werde Außenpolitik durch geostrategische und geopolitische Annahmen bestimmt. Für die deutsche Außenpolitik konstatiert Hawel einen entscheidenden Einfluss durch Neoliberale und Neorealisten. Diesen ginge es darum „die Interessen des deutschen Staates nüchtern zu maximieren“ (110). Dazu, so der Autor, habe man die deutsche Außenpolitik aus der „Belastung“ durch die nationalsozialistische Vergangenheit befreien müssen und einen Normalisierungsdiskurs etabliert, der auf volle militärische Souveränität der Bundesrepublik zielte und in dem über den Staatsmythos einer fünfzigjährigen erfolgreichen Demokratie argumentiert wurde. Normalisierung bedeutete also für die Bundeswehr „Entsorgung der belasteten deutschen Vergangenheit, die das kollektive Gedächtnis als Barriere gegen eine Umstrukturierung hin zu einer Interventionsarmee in Anschlag brachte“ (112). Über die deutschen Aktivitäten auf dem Balkan oder in Afghanistan führt Hawel aus, dass der „Anspruch auf Normalität als Bestandteil deutscher Staatsräson vordergründig umgesetzt wurde, indem der Staat den außenpolitischen und militärischen Konflikt suchte“ (124).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35 | 4.21 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Projektgruppe Nationalismuskritik (Hrsg.): Irrsinn der Normalität. Münster: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31570-irrsinn-der-normalitaet_37597, veröffentlicht am 28.01.2010. Buch-Nr.: 37597 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken