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Sybille Münch

Integration durch Wohnungspolitik? Zum Umgang mit ethnischer Segregation im europäischen Vergleich

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010; 484 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-531-17562-1
Politikwiss. Diss. TU Darmstadt; Gutachter: H. Heinelt, S. Lentz. – In westeuropäischen Ländern mit langjähriger Zuwanderungsgeschichte gelten Stadtteile oder Quartiere, die hohe, überdurchschnittliche Anteile an Migranten aufweisen, als problematisch. Eine stark ausgeprägte ethnische Segregation – so lautet die entsprechende politische Argumentation – stelle eine Integrationsbarriere dar und Wohnungspolitik sollte durch unterschiedliche Maßnahmen auf sozial und ethnisch gemischte Quartiere hinwirken. Diese in der wohnungspolitischen Praxis länderübergreifend verbreitete Ablehnung ethnischer Segregation muss – so die Autorin – überraschen, wird sie doch von den Befunden einschlägiger sozialwissenschaftlicher Forschung keineswegs gedeckt. Von dieser Inkongruenz ausgehend setzt sich Münch in einer methodisch sehr ausgefeilten Studie mit Mischungspolitiken und korrespondierenden Problemdeutungen in Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland auseinander. Konzeptionell gehört die Studie zur interpretativen Policy-Forschung, die sich an einer post-positivistischen Methodologie orientiert. Der Analyseansatz selbst ist konstruktivistisch: „Untersucht wird nicht das objektive Phänomen Segregation, sondern wie es zum Problem wurde.“ (107) Zum Untersuchungsgegenstand zählen damit Argumentationsformen, Deutungsmuster, Diskurskoalitionen und Zielgruppenkonstruktionen im Feld der nationalen Wohnungspolitiken, nicht jedoch Wirkungen der eingeschlagenen Policies etwa auf die Wohnsituation von Migranten oder auf die soziale Kohäsion in Quartieren. Methodisch beruht die Studie auf einer ländervergleichenden Diskursanalyse von Programmpapieren und Expertisen aus Politik und Wohnungswirtschaft, ergänzt durch 44 Experteninterviews. Die Arbeit dürfte für zwei Leserkreise von großem Reiz sein: zum einen diejenigen, die sich für methodologische Fragen interpretativer Policy-Forschung und Diskursanalyse interessieren, zum anderen jene, die sich mit Fragen neoliberaler Regulierung staatlicher Fachpolitiken befassen.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.263 | 2.23 | 2.61 | 2.343 | 2.35 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Sybille Münch: Integration durch Wohnungspolitik? Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32948-integration-durch-wohnungspolitik_39357, veröffentlicht am 30.03.2011. Buch-Nr.: 39357 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken