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Ayaan Hirsi Ali

Ich bin eine Nomadin. Mein Leben für die Freiheit der Frauen. Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz, Karin Schuler und Anne Emmert

München/Zürich: Piper 2010; 347 S.; geb., 19,95 €; ISBN 978-3-492-05375-4
Ayaan Hirsi Ali ist Islamkritikerin, Parlamentsabgeordnete und Frauenrechtlerin. Zusammen mit dem holländischen Regisseur Theo van Gogh drehte sie den Film Submission, der davon handelt, wie der Islam die Frauen zerbricht. Der Regisseur wurde daraufhin von einem Extremisten ermordet. Alis drittes Buch ist die schonungslose und kämpferische Darstellung des gesellschaftlichen und kulturellen Spannungsfeldes, dem sie sich und ihre muslimischen Geschlechtsgenossinnen ausgesetzt sieht. Sie setzt sich aber nicht nur mit der Hilflosigkeit des von ihr kritisierten Westens, sondern auch mit ihren somalischen Wurzeln auseinander. Ausgehend von den verschiedenen Generationen ihrer Familie entwirft sie ein komplexes Bild der somalischen Gesellschaft. Dabei erweckt sie die nomadische Tradition ihrer Großmutter genauso zum Leben wie die Zerrissenheit ihrer Familie in der Migration. Die muslimische Familie ist für Ali der Schlüssel für die Anfälligkeit vieler junger Muslime zum Islamismus, da durch sie viele Verschwörungstheorien ihren Weg von den Koranschulen Saudi-Arabiens und Ägyptens in westliche Wohnzimmer fänden. Seit dem 11. September unterstützt die Autorin Samuel Huntingtons These eines Kampfes der Kulturen. Sie kritisiert in diesem Zusammenhang den Idealismus vieler Verfechter des Multikulturalismus, deren Bemühungen sie für eine Verzögerung des Übergangs der Muslime in die Moderne verantwortlicht macht: „Damit verbannen sie auch nachfolgende Generationen, die im Westen geboren sind, in ein Niemandsland ohne moralische Werte. Was da in mitfühlende Worte verpackt wird, ist in Wahrheit eine grausame Form des Rassismus, umso grausamer, weil er in süßliche Worte der Rechtschaffenheit gekleidet wird“ (20). In einem kämpferischen Plädoyer fordert Ayaan Hirsi Ali den Westen dazu auf, gegen die Dschihadisten um die Herzen und den Verstand der muslimischen Immigranten zu kämpfen und die muslimischen Frauen vor den tyrannischen Geboten des Islams zu schützen.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.1 | 2.23 | 2.27 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Ayaan Hirsi Ali: Ich bin eine Nomadin. München/Zürich: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32295-ich-bin-eine-nomadin_38538, veröffentlicht am 19.07.2010. Buch-Nr.: 38538 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken