Iris Dzudzek

Hegemonie kultureller Vielfalt. Eine Genealogie kultur-räumlicher Repräsentationen der UNESCO

Berlin: Lit 2013 (Forum Politische Geographie 5); VIII, 244 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-643-11581-2
Diplomarbeit Münster. – Iris Dzudzek entwickelt in ihrer humangeografischen Untersuchung eine Genealogie der kulturräumlichen Repräsentation in der UNESCO. Wenn die Autorin gleich eingangs daran erinnert, dass die „Erschütterung geopolitischer Weltbilder [...] eng mit der Veränderung kultureller Weltbilder verwoben“ (1) ist, weist sie auf das zentrale Anliegen ihres Buches hin: die Untersuchung des Wandels und Ringens um Weltbilder und die damit „einhergehende Artikulation neuer politischer und kultureller Identitäten seit Ende des Zweiten Weltkrieges“ (2). Als Untersuchungsgegenstand dient ihr dabei der Diskurs der UNESCO, aus dem sie die geokulturellen Weltbilder und Identitäten herausarbeitet. Unter Verwendung poststrukturalistischer Ansätze der Diskurstheorie und diskursanalytischer Methodik untersucht die Autorin konkret die Resolutionen der Organisation der Vereinten Nationen seit deren Institutionalisierung im Jahre 1946. Dzudzek führt dabei zwei methodische Innovationen ein: Zum einen wird im Rahmen der Analyse „die genealogische Perspektive Foucaults erstmalig systematisch für eine lexikometrische Diskursanalyse“ (VII) operationalisiert, zum anderen erweitert sie die bisherigen lexikometrischen Verfahren um eine multivariate Analysevariante. Die Autorin unterteilt die Entwicklung des Kulturdiskurses der UNESCO zu diesem Zweck in drei Phasen: Beginnend mit der Nachkriegsphase, die durch die Etablierung von kulturellen Beziehungen für den Frieden geprägt war, führt ihre Untersuchung von der Entstehung neuer politischer und kultureller Identitäten über die Diversifizierung kulturräumlicher Bezüge (1970 bis 1989) bis in die Zeit nach dem Ende des Kalten Krieges (1991 bis 2005), mit der nach Ansicht der Autorin eine „Pluralisierung der Identitäten“ und „zunehmende Verflechtung lokaler und globaler Bezüge“ (175) einsetzte. Dzudzek kommt in ihrer Analyse zu dem abschließenden Ergebnis, dass sich das Konzept der kulturellen Vielfalt zur „hegemonialen Signifikanten“ (210) und zum „Knotenpunkt im Diskurs“ (213) entwickelt hat und sich in der Genealogie des UNESCO‑Diskurses unterschiedliche Formen von kulturellen Universalismen offenbaren.
Christian Patz (CPA)
M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.3 | 4.43 | 5.42 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Iris Dzudzek: Hegemonie kultureller Vielfalt. Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36825-hegemonie-kultureller-vielfalt_44982, veröffentlicht am 06.03.2014. Buch-Nr.: 44982 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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