Joachim Beck / Birte Wassenberg (Hrsg.)

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit leben und erforschen. Band 5: Integration und (trans-)regionale Identitäten

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2013 (Studien zur Geschichte der Europäischen Integration 22); 353 S.; 56,- €; ISBN 978-3-515-10595-8
Die Förderung grenzüberschreitender Zusammenarbeit gehört zu den wichtigsten Aktivitäten der Europäischen Union. In der sozial‑ und kulturwissenschaftlichen Forschung wurde daher verschiedentlich die Hypothese der Existenz transnationaler beziehungsweise transregionaler Identitäten in Grenzgebieten postuliert. Der Überprüfung dieser Annahme widmen sich die Autoren des dreisprachigen (deutsch, französisch, englisch) Sammelbandes. Er beruht auf einem mehrjährigen Forschungszyklus der Universität Strasbourg und des Euro‑Institutes in Kehl (siehe auch Buch‑Nr. 40674). Versammelt ist ein Teil der Beiträge des Abschlusskolloquiums dieses Projektes, das im Oktober 2010 in Straßburg stattfand. Karl‑Heinz Lambertz und Joëlle Ramakers untersuchen beispielsweise die Hindernisse für grenzüberschreitende Kooperationsprozesse. Dazu zählen die meist periphere Lage der beteiligten Regionen, Fragen der konkreten Handlungsfelder und die rechtliche Ausgestaltung. Diesen Hindernissen gelte es zu begegnen, denn: „Die Zukunftsfähigkeit Europas entscheidet sich nicht zuletzt an den Grenzen und daran, wie erfolgreich die Herausforderungen von Vielfalt und Komplexität gemeistert werden.“ (70) Steffen Rubach widmet sich dem spezifischen Beitrag der Euroregionen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Dieser reiche von der Netzwerk‑ und Kooperationsarbeit über planerisch‑konzeptionelle Tätigkeiten bis hin zu konkreten Projektvorhaben, die „quasi jeden Lebensbereich“ (189) der Menschen im Grenzgebiet umfassen. Der Verortung der beteiligten Institutionen entsprechend bezieht sich der Großteil dieser Ausführungen auf westeuropäische Beispiele. Nur wenige weisen dezidiert auch ostmittel‑ oder südosteuropäische Bezüge auf. Das führt leider auch zu Unzulänglichkeiten wie denjenigen, dass in den Autorenangaben aus dem tschechischen Ústí nad Labem eine polnische Stadt wird und die verwendete Schrifttype slawische Sonderzeichen teilweise nicht korrekt darstellt. 25 Jahre nach dem politischen Umbruch in Ostmittel‑ und Osteuropa und zehn Jahre nach der ersten Runde der EU‑Osterweiterung wäre hier etwas mehr Sorgfalt wünschenswert gewesen.
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 3.13.53.62.612.42.52.3254.214.224.5 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Joachim Beck / Birte Wassenberg (Hrsg.): Grenzüberschreitende Zusammenarbeit leben und erforschen. Band 5: Integration und (trans-)regionale Identitäten Stuttgart: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37065-grenzueberschreitende-zusammenarbeit-leben-und-erforschen-band-5-integration-und-trans-regionale-identitaeten_45509, veröffentlicht am 08.05.2014. Buch-Nr.: 45509 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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