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Thomas Steinmetz

Globaler Kleinkrieg. Untersuchung der Struktur des Substaatlichen Akteurs al Qaeda sowie eine Analyse von Gegenmaßnahmen staatlicher Akteure in den Regionen Afrika, Zentral- und Südostasien

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2011 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 592); 414 S.; 59,80 €; ISBN 978-3-631-61055-8
Diss. Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. – Steinmetz erste Hauptthese lautet, dass der „Kleinkrieg“ auf globaler Ebene nachgewiesen werden kann. Dieser werde vom Netzwerk der Al Kaida geführt. Der Terrorismus sei ein Kriegsmittel und der transnationale Terrorismus stelle ein „Mittel der globalen Kleinkriegführung“ (24) dar. Mithilfe der zweiten „großen Hypothese“ (27) analysiert der Autor die Struktur eines substaatlichen Akteurs. In der dritten „Leithypothese“ wird auf die Bekämpfung der als Netzwerk organisierten „substaatliche[n] Akteure“ (28) eingegangen. Der Autor arbeitet die Thesen einer Reihe von Terrorismusforschern ab und liefert zudem islamwissenschaftliche Erklärungen, um die Gefahr eines „kleinen Krieges“ zu verdeutlichen. Beispielsweise geht er auf das Problem des Takfir, der Dämonisierung von Ungläubigen, ein. Diese habe die Ausweitung des Kriegkrieges der Al Kaida in einen „unbegrenzten Krieg“ gegen Ungläubige ermöglicht, sodass Al Kaida nicht mehr zwischen Zivilisten und Armeemitgliedern unterscheide. Steinmetz stuft die Al Kaida als die „erste militant-islamistische Internationale“ (129) und als totalitär ein. Ihre Aktivitäten in Afghanistan, im Sudan sowie die Entgrenzung ihrer Operationen in Ostafrika werden überzeugend analysiert. Ferner wird die „polyzentrische Struktur“ (284) dieser Organisationen im Irak, in Saudi-Arabien und im Maghreb unter die Lupe genommen. Steinmetz kommt zu dem Ergebnis, dass Al Kaida „nach 2001 segmentiert, polyzentrisch und ideologisch mit einheitlichem Leitbild integriert als Netzwerk handlungsfähig“ (303) wurde. Die staatliche Bekämpfung der Al Kaida sei „sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich“. Die Sozialstruktur der Al Kaida lasse sich nicht „von staatlicher Seite erfolgreich“ (338) angreifen. Der Staat könne kaum Netzwerkakteure der Al Kaida bekämpfen oder durch die Einbindung in andere Netzwerke neutralisieren. Ferner kommt Steinmetz zu dem Ergebnis, dass das internationale System „sich gegenwärtig der Bedrohung durch einen globalen kleinen Krieg ausgesetzt“ (354) sieht. Die Bedeutung dieser Arbeit auch für das Völkerrecht liegt insbesondere in der Einstufung von Al Kaida als ein Netzwerk, das Krieg führt.
Wahied Wahdat-Hagh (WWH)
Dr., Dipl.-Soziologe und Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 4.41 | 2.68 | 2.67 | 4.1 Empfohlene Zitierweise: Wahied Wahdat-Hagh, Rezension zu: Thomas Steinmetz: Globaler Kleinkrieg. Frankfurt a. M. u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33741-globaler-kleinkrieg_40414, veröffentlicht am 09.06.2011. Buch-Nr.: 40414 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken