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Richard Münch

Globale Eliten, lokale Autoritäten. Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co.

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2009 (edition suhrkamp 2560); 267 S.; 13,- €; ISBN 978-3-518-12560-1
Diskussionen über die Bildungspolitik sind heute offensichtlich beherrscht von einem hegemonialen Diskurs, der das Konzept der Wissensgesellschaft mit dem Postulat lebenslangen Lernens verknüpft und Bildung als Humankapital versteht, das sich (individuell) am Arbeitsmarkt und (kollektiv) in der internationalen Standortkonkurrenz bewähren muss. Der im Zuge dieser Rhetorik betriebene Umbau der Institutionen schulischer, beruflicher und universitärer Bildung hat mittlerweile eine nicht mehr zu bremsende Eigendynamik erreicht, obschon die stets deklarierten Prämissen – Ineffizienz vorhandener Strukturen – sich nicht auf eine eindeutige Empirie berufen können. Es ist dem an der Universität Bamberg lehrenden Soziologen Münch zu danken, dass er diese Prozesse einer kritischen, ebenso methodisch wie gesellschaftstheoretisch fundierten Analyse unterzogen hat. Die sich in ganzer Breite vollziehende Transformation der Bildungsidee in ein ökonomistisches Leitbild, das souverän alle (nationalen) kulturellen Spezifika ignoriert, untersucht er einerseits für die Schulen (PISA-Studien) und für die Universitäten (Bologna-Prozess). Im schulischen Kontext erfolgt eine an OECD-Standards ausgerichtete Ersetzung des Bildungsbegriffs durch das Konzept instrumenteller, im Rahmen von Tests messbarer Kompetenzen. Der Bologna-Prozess etabliert eine Form des akademischen Kapitalismus, demzufolge Universität wie Unternehmen um Geld und symbolisches Kapital konkurrieren müssen. Problematisch sind für Münch vor allem zwei Aspekte: Einerseits verweisen diese Prozesse auf einen Strukturwandel von Herrschaft, in dem sich transnationale Wirtschafts- und Wissenschaftseliten gegenüber demokratisch legitimierten nationalstaatlichen Institutionen durchsetzen. Andererseits erfolgt die Ausrichtung hiesiger Bildungspolitik an globalen Standards unvermeidlich im Kontext nationaler Interessenkonstellationen – in der Folge entstehen hybride Organisationsformen, die weder die herkömmliche Praxis fortführen können noch die Modernisierungsforderungen vollständig einzulösen bereit sind.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 2.263 | 2.21 | 2.24 | 2.343 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Richard Münch: Globale Eliten, lokale Autoritäten. Frankfurt a. M.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30199-globale-eliten-lokale-autoritaeten_35811, veröffentlicht am 16.07.2009. Buch-Nr.: 35811 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken