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Britta Waldschmidt-Nelson

From Protest to Politics. Schwarze Frauen in der Bürgerrechtsbewegung und im Kongreß der Vereinigten Staaten

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 1998 (Nordamerikastudien 8); 429 S.; 98,- DM; ISBN 3-593-36114-0
Diss. München. - "In vielen Fällen" waren "schwarze Frauen das eigentliche Rückgrat" des jahrhundertelangen Strebens schwarzer Amerikaner nach Freiheit und Gleichberechtigung (13). In dieser Studie geht es darum, "die Transformation des politischen Engagements schwarzer Amerikanerinnen vom Protest der Bürgerrechtsbewegung zur aktiven Partizipation in den gesellschaftspolitisch relevanten Institutionen der USA [...] zu analysieren und zu bewerten" (13 f.). Sie schließt mit diesem Ziel eine Forschungslücke, die trotz der enormen Fülle und Diversität der Literatur zur Bürgerrechtsbewegung bislang bestand. Im ersten Teil der Arbeit wird die Funktion und Bedeutung schwarzer Frauen in der Protestbewegung "anhand von zwei repräsentativen Beispielen, Ella Baker und Fannie Lou Hamer, eingehend untersucht" (21). Im zweiten Teil analysiert die Autorin, inwieweit persönliche Erfahrungen in der Bürgerrechtsbewegung die Afro-Amerikanerinnen dazu bewogen haben, sich um ein Amt in den politischen Institutionen der Vereinigten Staaten zu bemühen. Unter vielen einzelnen Forschungsfragen interessiert hier z. B., wie es den Frauen gelang, sich in diesen von Männern dominierten, patriarchalischen Institutionen zu etablieren und an Entscheidungsprozessen mitzuwirken. Der dritte Teil widmet sich dem politischen Alltag der Afro-Amerikanerinnen im Kongreß der Vereinigten Staaten, der hier als Untersuchungsschwerpunkt ausgewählt wurde. "Von zentraler Bedeutung [sind] dabei die Fragen, ob und inwieweit sich schwarze Amtsinhaberinnen hinsichtlich ihrer legislativen Arbeit von anderen Abgeordneten im Kongreß unterscheiden, wie sie ihr Mandat verstehen, von welchen Faktoren ihre Arbeit auf dem Capitol Hill bestimmt ist, und welche Entwicklungen ihrer politischen Agenda sowie ihres Einflußpotentials für die Zukunft zu erwarten sind." (24) Methodisch basiert die Arbeit überwiegend auf der Auswertung von Sekundärliteratur sowie von standardisierten bzw. halbstandardisierten Interviews, die die Autorin vor allem mit BürgerrechtlerInnen, PolitikerInnen und OrganisationsleiterInnen führte. Diese Studie, die äußerst umfangreich ist und ein enormes Detailwissen präsentiert, ergänzt die American Studies um einen sehr wichtigen Ausschnitt; sie ist zugleich ein authentisches und spannendes Stück US-amerikanischer Zeitgeschichte. Aus dem Inhalt: I. Schwarze Frauen in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung: 1. Ella Jo Baker und die Koordination lokaler Proteste zum gezielten Massenwiderstand; 1.1. Voraussetzungen: Bakers Werdegang vor 1955; 1.2. Baker und die Southern Christian Leadership Conference; 1.3. Baker und die Studentenbewegung des Südens. 2. Fanny Lou Hamer und die politische Organisation der Schwarzen in Mississippi; 2.1. Wurzeln des Zorns: Hamers Erfahrungen als Sharecropper; 2.2. Hamer und das Student Nonviolent Coordinating Committee; 2.3. Hamer und der Kampf schwarzer SüdstaatlerInnen für das Recht auf politische Partizipation; 2.4. "Give a man some ground und he'll never be hungry no more": Schwarze Selbsthilfeprogramme in Sunflower County. II. Hintergründe und Voraussetzungen des Aufstiegs schwarzer Politikerinnen seit den 1960er Jahren: 1. Schwarze Politikerinnen und das gender gap: Theorien des geschlechtsspezifischen Verhaltens und ihre Anwendbarkeit auf die amerikanische Politik; 2. Die spezifischen Lebenserfahrungen schwarzer Frauen als prägende Faktoren ihres politischen Selbstverständnisses; 3. "The Year of the (Black) Woman": Die Steigerung des Anteils afro-amerikanischer Frauen im Kongreß. III. "Working on the Inside": Schwarze Frauen als Amtsinhaberinnen im Kongreß: 1. Der Einfluß von Wahlkreischarakteristika auf die Zielsetzungen schwarzer Politikerinnen; 2. Beispiele spezifischer Gesetzentwürfe schwarzer Frauen vom 91. bis zum 102. Kongreß; 3. Legislative Initiativen und Prioritäten schwarzer Frauen im 103. Kongreß (1993-1994); 3.1. Initiativen im Bereich Sozialgesetzgebung; 3.2. Initiativen zur Förderung, zum Schutz und zur Gleichstellung von Frauen; 3.3. Initiativen zur Gleichstellung und Förderung von Minderheiten. 4. Das Abstimmungsverhalten schwarzer Frauen; 4.3. Das Abstimmungsverhalten der Afro-Amerikanerinnen im Vergleich zu anderen Gruppen im Kongreß. IV. "The Struggle is Eternal": Zusammenfassung und Ausblick.
Petra Beckmann-Schulz (Bm)
Dr., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.64 | 2.27 | 2.23 | 2.22 | 2.24 Empfohlene Zitierweise: Petra Beckmann-Schulz, Rezension zu: Britta Waldschmidt-Nelson: From Protest to Politics. Frankfurt a. M./New York: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/6441-from-protest-to-politics_8751, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 8751 Rezension drucken