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Slavoj Žižek

Fordern wir das Unmögliche. Aus dem Englischen von Alexander Kasbohm. Die Fragen an Slavoj Žižek stellt Yong-june Park, Chefredakteur der Indigo Book Company, Südkorea

Hamburg: LAIKA Verlag 2014 (LAIKAtheorie 49); 144 S.; 21,- €; ISBN 978-3-944233-20-8
„Ich denke, die Linke hat die Nullebene der Krise noch nicht erreicht“ (86). Im Stil einer postmodernen Neuauflage der Minima Moralia breitet Slavoj Žižek auf 140 Seiten 34 kurze Antworten auf Interviewfragen aus, die im Rahmen einer internationalistischen Konferenz eines südkoreanischen Bildungszentrums erarbeitet wurden. Žižeks Reflexionen kreisen um die Zerfallserscheinungen des spätmodernen Kapitalismus, die derzeit von keiner organisierten linken Bewegung produktiv aufgenommen werden. Zu erdrückend sind die Altlasten aus Stalinismus und Maoismus, zu sehr ist linkes Denken in alten Mustern verhaftet. Žižek sieht die „leninistische Version“ des Kommunismus als „das größte ethisch‑politische Fiasko in der Menschheitsgeschichte“ (32) und wendet sich gegen das einfach instrumentelle Revolutionsverständnis linker Bewegungen. Es gilt vielmehr, ein Modell von Politik gemäß der aristotelischen „Phronesis“ (23) zu entwickeln, in der politisches Denken und Handeln zusammenfallen, anstatt instrumentell getrennt zu bleiben. Nur so könnte der „Stillstand des totalitären Kommunismus“ (57) überwunden werden, der doch größtenteils nur in eine „weiche faschistische Lösung“ (59) in Gestalt eines „Kapitalismus mit asiatischen Werten“ (36) führt. Das Ergebnis dieser Synthese aus westlich‑asiatischer Ideologie zeigt sich schon heute als popkulturell verallgemeinerter „vager Hedonismus mit buddhistischem Touch“ (86), der jegliche Versuche von Subversion durch noch extremere Transgression aufsaugt und in einen Faktor der Stabilität verwandelt. Linke Politik sollte deshalb den Versuch aufgeben, ständig subversiv zu sein: „Die Linke ist sich nicht bewusst, was 1990 bedeutet hat. Es hat bedeutet, dass alle Modelle – das staatskommunistische, das sozialdemokratische, auch das Modell der direkten Demokratie – versagt haben. Wir sollten also anfangen, neu zu denken“ (87). Darin besteht auch der radikale Unterschied zur Position der Kritischen Theorie, deren Betonung auf Entschleunigung und Erinnerung statt eines aufgeregten Neuanfangs Žižek „sehr kritisch“ (95) gegenübersteht. Žižek warnt davor, dass der wieder und wieder gescheiterte Versuch einer permanenten Revolution einfach zu einer Annäherung an den „permanenten Ausnahmezustand“ und Stillstand führt, was vielleicht schon erreicht ist: Der „Zustand der westeuropäischen Gesellschaften“ ist bereits so beschaffen, „dass es diese reine Explosion der Gewalt gibt, die nicht einmal ein minimales utopisches Programm formulieren kann“ (111).
{FG}
Rubrizierung: 2.225.42 Empfohlene Zitierweise: Florian Geisler, Rezension zu: Slavoj Žižek: Fordern wir das Unmögliche. Hamburg: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38378-fordern-wir-das-unmoegliche_45724, veröffentlicht am 07.05.2015. Buch-Nr.: 45724 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken